TOP Ö 7: Einrichtung und Ausbau von Kindertagespflege in Emden, - Konzept und Maßnahmen im Rahmen des Landesprogramms "Familien mit Zukunft"

Beschluss: einstimmig

Der Jugendhilfeausschuss beschließt

 

1.    die Landesmittel aus dem Programm „Familien mit Zukunft“ zur Einrichtung und personellen Besetzung eines Familien- und Kinderservicebüros, zur Qualifizierung sowie Vernetzung von Tagespflegepersonen und für Modellprojekte im Bereich der Ferienbetreuung von Kindergartenkindern und Grundschülern zu beantragen und diese Maßnahmen ab dem 01.06.2007 umzusetzen.

 

2.    20 Plätze in der Betreuungsform der Kindertagespflege bis Juni 2008 einzurichten.


Frau Schrader erläutert die Maßnahmen, die im Rahmen der Umsetzung des Landesprogramms „Familien mit Zukunft – Kindern fördern und betreuen“ umzusetzen seien. Bereits in den vergangenen Sitzungen habe der Jugendhilfeausschuss das Landesprogramm diskutiert und darauf hingewiesen, welcher enormer Bedarf im Bereich der Betreuung von Kindern und dem Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder sehen sei.

 

Weiter erklärt sie, in Emden werde man ab dem neuen Schuljahr die Möglichkeit haben, mit zwei Modellprojekten im Rahmen des Brückenjahres den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule für die Kinder gewinnbringender zu gestalten und die Verzahnung der Bildungsarbeit mit den Grundschule voranzutreiben. Nach anfänglicher Diskussion zeichnet es sich nunmehr ab, dass Emden durchaus die Möglichkeit haben werde, ein kleines Beraterteam einzurichten, das koordinierend für die Modellprojekte und die anderen Grundschulen und Kindertagesstätten tätig werden könne. Hier sei an eine Kooperation zwischen einer Lehrkraft aus der Pestalozzischule und der Kindertagesstätte Barenburg gedacht. Eine umfassende Information zu diesem Programm könne auch in der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses erfolgen.

 

Eine zweite Säule des Landesprogramms sei die Förderung im Bereich der Kindertagespflege über das Sozialministerium. Frau Schrader erläutert dann die Möglichkeiten, die das Ministerium den  öffentlichen Jugendhilfeträgern anbiete, um den Bereich der Kindertagespflege in den Kommunen auszubauen. Ein weiterer Punkt, der aus dem Landesprogramm gefördert werden könne, sei die Qualifizierung von Tagespflegepersonen. In Emden sei keine ausreichende Anzahl von qualifizierten Tagespflegepersonen in einer Datei abrufbar. Aus diesem Grunde bestehe dringender Qualifizierungsbedarf.

 

Abschließend schlägt Frau Schrader als letzten Baustein in der ersten Projektphase vor, dass Modellprojekte im Rahmen der Ferienbetreuung erprobt würden. Auch dort bestehe in Emden akuter Ausbaubedarf. Die Betreuungsangebote sollten unterschiedlich für die entsprechenden Altersgruppen erprobt werden.

 

Frau Grix bedankt sich und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Fooken führt aus, die FDP-Fraktion habe bereits im Sommer 2006 auf die sich abzeichnenden Fördermöglichkeiten aufmerksam gemacht und gebeten, die entsprechenden Anträge an die Landesregierung zu stellen. Daher werde er dieser Vorlage inhaltlich voll zustimmen.

 

Frau Meyer hält die Vernetzung und Zusammenarbeit für wichtig. Sie fragt an, welche Qualifizierung die Tagespflegepersonen haben müssten und wie sie bezahlt würden.

 

Frau Schrader antwortet, für die Qualifizierung gäbe es unterschiedliche Empfehlungen. Es habe sich durchgesetzt, nach einem Curriculum des Deutschen Jugendinstitutes in München zu qualifizieren. Die Grundqualifizierung umfasse 160 Unterrichtsstunden und beinhalte  neben der Entwicklungspsychologie alltagsgemäßer Förderung, Ernährung, Bewegungsangebote, Beschäftigungsangebote für Kleinkinder auch den rechtlichen Rahmen im Bereich Aufsichtspflicht und Versicherung. Es handele sich hierbei allerdings um eine Basisqualifikation, die auf keinen Fall mit der Qualifizierung der Erzieher/Erzieherinnen gleichzusetzen ist. Zusätzlich habe das Jugendinstitut ein Curriculum für erfahrene Tagesmütter mit einem Umfang von 52 Stunden entwickelt, die bisher aufgrund der alten Gesetzeslage noch ohne Qualifikation tätig sein konnten.

 

Weiter führt sie aus, die Bezahlung im Bereich der Kindertagespflege orientiere sich an den Richtlinien der umliegenden Landkreise. Es sei geplant, einen Förderbetrag von 2,50 € pro Kind und Betreuungsstunde vorzuschlagen. Kindertagespflegepersonen in Niedersachsen könnten bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen.

 

Herr Schild kann nicht nachvollziehen, dass sich Personen 160 Stunden fortbilden lassen müssten, um dann 2,50 € zu verdienen.

 

Frau Fekken betont, die Bezahlung sei durchaus üblich. Sie sei jedoch der Stadt Emden dafür dankbar, dass sie dafür plädiere, die Erziehung und Betreuung über die Institutionen laufen zu lassen und das Tagsmüttermodell eher als eine Notlösung zu sehen. Sie fragt an, was unter dem Begriff „Sonderbetreuung“ zu verstehen sei und ob es durchaus wie im benachbarten Ausland Modelle in der Tagespflege gäbe, dass Tagesmütter sich selbstständig machen und mehrere Kinder betreuen würden, um überhaupt in die Nähe eines Mindestlohns zu kommen.

 

Herr Sprengelmeyer entgegnet, in der Vorlage sei unter Punkt 7 erwähnt, dass eine Satzung in Vorbereitung sei. Aus diesem Grunde müsse man sich mit der Kinderbetreuung noch einmal beschäftigen und auch die Finanzierung und Bezahlung diskutieren. Dem Gesetz nach und so sei es auch in anderen Landkreisen und Gemeinden üblich würden Tagesmütter tatsächlich mehrere Kinder gleichzeitig betreuen. In einigen Städten würden sich mehrere Frauen zusammenschließen, Räume anmieten und gleichzeitig mehrere Kinder betreuen.

 

Anschließend fasst er zusammen, dass bei Tagung der Jugendämter im Bereich Weser-Ems darüber gesprochen worden sei, wie es mit den gesetzlichen Vorgaben aussehe. Auch Fragen hinsichtlich der Räumlichkeiten und des Brandschutzes müssten noch von der Kommune geklärt werden.

 

Frau Schrader führt aus, der Betrag werde erst dann zu einem Nebeneinkommen für Familien, wenn mehrere Kinder betreut würden. Die Tagespflege sei nicht so konzipiert, dass sie ein volles Erwerbseinkommen ergeben solle, sondern eine Betreuungsform, die sich aus der Nachbarschaftshilfe entwickelt habe. Der Gesetzgeber wolle die Ehrenamtlichkeit weiter fördern. Die Tagespflege sei ein niedrigschwelliges Angebot in Form von Betreuung und keine Erwerbstätigkeit.

 

Bezüglich der Frage der Sonderbetreuung erklärt sie, dass diese zwar vom Ministerium gesetzt aber auf keiner Fachtagung des Sozialministeriums näher ausgeführt worden sei. Die Kindertagespflege verstehe sich als eine Betreuungsform für Eck- und Notzeiten. Inwieweit es möglich sei, über Kindertagespflege auch den Nachtdienst abzusichern, könne sie im Moment für Emden nicht sagen, da es zurzeit akute Probleme gäbe, überhaupt Pflegepersonen zu finden, die bereit seien, Kinder vor 7 Uhr morgens und in die Abendstunden zu betreuen.

 

Abschließend bemerkt Frau Schrader, in Niedersachsen sei es seit dem 01.01.2007 möglich, dass zwei Kindertagespflegepersonen bis zu acht Kinder in angemieteten Räumen betreuen könnten. Sie gehe jedoch davon aus, dass der Betreuungsumfang für Tagespflegepersonen in angemieteten Räumen weit über 40 Betreuungsstunden pro Wochen liegen müsse, damit sich das Angebot betriebswirtschaftlich rechne.

 

Herr Lutz weist darauf hin, in einer Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft sei bemerkt worden, es habe sich gerade bei alleinerziehenden Kunden herausgestellt, dass es zu ganz großen Schwierigkeiten hinsichtlich der Koordination der Kinderbetreuung komme. Hier biete das Tagesmütterprogramm vielleicht eine Möglichkeit, etwas aufzufangen, was bislang nicht richtig funktioniere. Auch wäre eine Datenbank für die Vermittlungstätigkeit hilfreich.

 

Um zumindest zu versuchen, ein gewisses Angebot aufzubauen, appelliert er an die Ausschussmitglieder, der Vorlage zuzustimmen. Es sei zwar klar geworden, dass es nicht darum gehe, Arbeitsplätze zu finden, sondern die Kinderbetreuung insgesamt in der Stadt zu erweitern. Außerdem würde das Landesprogramm dieses als einen Förderschwerpunkt im Bereich des Sozialministeriums sehen.

 

Herr Schild erkundigt sich nach den Kosten der Ausbildung zur Kindertagespflege und fragt an, ob diese evtl. von der Stadt übernommen würden.

 

Frau Schrader führt aus, bei den aktuellen Kursen, die zurzeit von der Evangelischen Familienbildungsstätte in Kooperation mit den umliegenden Landkreisen durchgeführt würden, werde ein Teilnehmerbeitrag in Höhe von 130 € erhoben. Doch sie bemühe sich mit der Familienbildungsstätte um eine Vereinbarung, dass die Personen als Tagespflegepersonen im Stadtgebiet zur Verfügung stünden.

 

Auf die Frage von Herrn Ouedraogo nach den Qualifikationen der Personen, die sich für eine Fortbildung entscheiden, entgegnet Frau Schrader, es gäbe hier keine Beschränkung. Dennoch empfehle der Deutsche Tagesmütterverein bei der Erteilung der Erlaubnis zur  Kindertagespflege darauf zu achten, dass zumindest ein Hauptschulabschluss vorliege und dass die Personen auch über die nötigen sprachlichen Fähigkeiten verfügten, um die Kinder im Bereich ihrer Sprachentwicklung zu fördern und zu unterstützen.