Beschluss: einstimmig

Die der Vorlage 15/1505 als Anlage beigefügte Kooperationsvereinbarung von Jugendhilfe – Schule wird als verbindliche Arbeitsgrundlage für den Bereich der Jugendhilfe beschlossen.

 

 


Herr Frein erklärt, das Thema Kooperationsvereinbarung, Jugend und Schule habe die Stadt Emden bereits seit dem Jahre 2004 aufgegriffen, als dieses Thema im Rahmen einer Schulleiterdienstbesprechung von den Schulleitern an das Jugendamt der Stadt Emden herangetragen worden sei mit dem Tenor, eine Beschreibung von Arbeitsabläufen zu erstellen, die den Lehrern an die Hand gegeben werden könne, und veranschauliche, wie in Einzelfällen die Übergabe oder Vernetzung der Arbeit zwischen Schule und Jugendhilfe stattfinden könne.

 

Zum damaligen Zeitpunkt sei eine erste Kooperationsvereinbarung auf dem Weg gebracht worden, die im Jahre 2005 verabschiedet worden sei und als Grundlage für die Arbeit in Einzelfällen gedient habe. Im Jahre 2009 habe man festgestellt, dass hier die Notwendigkeit bestehe, diese Kooperationsvereinbarung zu überarbeiten, weil es sowohl personelle Wechsel gegeben habe als auch in dieser Zeit neue Projekte innerhalb der Jugendhilfe entwickelt worden wären, die so nicht in die Kooperationsvereinbarung aufgenommen worden seien. Herr Frein führt weiter aus, im Oktober 2009 habe man zu einer Schulleiterdienstbesprechung eingeladen, an der Grundschulen, die Schulen der Sekundarstufe I und II, die Berufsbildenden Schulen und die Förderschule teilgenommen hätten, um diese Kooperationsvereinbarung zu erarbeiten.

 

Herr Frein bemerkt, nunmehr läge als Ergebnis von fünf Treffen ein Entwurf vor. Man sei an dieses Thema herangegangen unter dem Motto, welche Informationen müssten den beteiligten Fachkräften vorliegen und welche Erwartungen habe die Schule an die Jugendhilfe und umgekehrt. Weiter stelle sich die Frage nach dem gemeinsamen Ziel, um eine Handreichung zu haben und feststellen zu können, an welchem Punkt man sich befinden würde und wen man im Bereich der Jugendhilfe einschalten könne. Die Kooperationsvereinbarung solle sowohl im Bereich der Jugendhilfe aus als auch im Bereich der Schulen als eine verbindliche Arbeitsgrundlage gelten. Weiter habe man sich auch darüber Gedanken gemacht, wie letztendlich hier eine Verbindlichkeit hergestellt werden könnte. Man habe sich darauf geeinigt, den Entwurf der Kooperationsvereinbarung in den Jugendhilfeausschuss zu geben, um evtl. Fragen zu beantworten und den Bedarf zu erläutern. Auf der anderen Seite könne dann beschlossen werden, dass dieses eine Grundlage für die Zusammenarbeit sei, an die die Einrichtungen der Jugendhilfe sich halten und orientieren sollten. Weiter werde vereinbart, dass dieser Entwurf in der Schulleiterdienstbesprechung vorgestellt werde. Aus diesem Grunde seien bereits Gespräche mit der Landesschulbehörde geführt worden. Er würde vorschlagen, dass es über den Schulvorstand in die Schulkonzepte als fester Bestandteil mit aufgenommen werden solle und somit auch einen dementsprechenden Bekanntheitsgrad in den Schulen habe. Die Schulen, die nicht in der Schulleiterdienstbesprechung vertreten seien, würden über die Jugendamtsleitung angeschrieben.

 

Abschließend bemerkt Herr Frein, um eine Auswertung vornehmen zu können und auf die weitere Entwicklung reagieren zu können, schlage er vor, sich nach einer Laufzeit von ca. 1,5 Jahren noch einmal zu treffen.

 

Frau Grix bedankt sich und bittet um Wortmeldungen.

 

Frau E. Meyer begrüßt diese Kooperationsvereinbarung und bittet Herrn Frein, die wichtigsten Punkte, die angedacht worden seien, hervorzuheben.

 

Herr Frein erklärt, hier müsse man immer auf den Einzelfall schauen, wie die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe laufe. Er erläutert am Beispiel des Sozialen Dienstes, auf der einen Seite gehe es darum, aufzuzeigen, welche Möglichkeiten die einzelnen beteiligten Systeme hätten. Dieses würde sich auch auf dem Ablaufschema wiederfinden. Wenn ein Schüler in der Schule auffällig werde, in dem er sich zurückziehe und nicht mehr erreichbar sei, erfahre die Lehrkraft in Gesprächen, dass hier vielleicht eine Trennung zu Hause anstehe. Hier könne die Schule erst einmal mit ihren eigenen Möglichkeiten darauf eingehen. Wenn sich das nicht auflösen lasse, dann bestehe die Möglichkeit, dass der Soziale Dienst für diesen Bereich eine Beratung anbiete und auch mit den Eltern ins Gespräch komme. Die Schule weiß, welche Stelle Ansprechpartner sei und der erste Weg sei, die Eltern zu motivieren, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig müsse die Schule auch im Blick haben, ob diese Hilfe in Anspruch genommen werde und ob sich an dem Verhalten des Jugendlichen etwas ändere. Letztendlich habe man auch die Möglichkeit, dass eine Begleitung von Eltern in diese Hilfeangebote möglich sei und dass auch die Eltern unterstützt werden könnten. Auch bestehe die Möglichkeit, dass sich die pädagogischen Fachkräfte anonymisiert  beraten lassen könnten. Ziel sei es, immer dort, wo Auffälligkeiten vorhanden seien, das Gespür zu entwickeln, was man in der Schule einsetzen könne und wo man die Möglichkeit anderer Institutionen nutzen könne.

 

Weiter führt Herr Frein aus, ausführlich beschrieben sei das Projekt „Zweite Chance – Schulverweigerung“. Wenn es um dieses Thema gehe, dann wisse man, wer die Ansprechpartner seien und wie man vernetzen könne.  Auch gehe es hier immer darum, die Eltern zu motivieren, dass sie diese Hilfe in Anspruch nehmen würden. Abschließend betont Herr Frein, nicht erfasst würden hierbei die Fälle, wo es um konkrete kindeswohlgefährdende Situationen gehe. Hier müsse eine andere und schnellere Reaktion und Abklärung erfolgen.

 

Frau E. Meyer erkundigt sich, ob jetzt von den Lehrerinnen und Lehrern mehr Aufmerksamkeit in Bezug auf Auffälligkeit von einem Kind erwartet werde. Sie fragt an, wie der Weg sei, wenn ein Kind auffällig werde.

 

Herr Mecklenburg führt aus, mit diesem Kooperationsentwurf habe die Verwaltung etwas vorgelegt, was sozusagen der Endpunkt einer Entwicklung sei, die unbedingt notwendig gewesen wäre und auch ein Stückweit von den Schulen ausgegangen sei. Er erinnert daran, dass Schule und Jugendhilfe zwei Bereiche gewesen seien, die sich bisher gar nicht gut kannten und auch nicht gut leiden konnten. Auf beiden Seiten habe es möglicherweise Vorurteile gegeben. So sei damals ein erstes Treffen entstanden,

 

Weiter führt er aus, er wolle der Verwaltung einen großen Dank aussprechen, dass aufgenommen worden sei, was es an Defiziten gegeben habe und dass wirklich von allen Seiten sehr konstruktiv gearbeitet worden sei. Es sei wirklich unbedingt notwendig gewesen, dass die Zuständigkeiten in diesem ganzen Bereich transparent dargestellt worden seien. Hinsichtlich des Verfahrens schlägt Herr Mecklenburg vor, das Instrument der Haushaltsdienstbesprechung zu nutzen, wo alle Emder Schulen vertreten seien. Zu dieser Besprechung könnte dann auch noch die Landesschulbehörde eingeladen werden, um dann die Dinge intensiv miteinander besprechen zu können.

 

Herr Ouedraogo bemerkt, das Papier sei wirklich gut gelungen. Er hoffe, dass die Arbeit der Sozialpädagogen und Lehrkräfte durch diese Vereinbarung mehr intensiviert werde. Er bittet um Auskunft hinsichtlich des Absatzes 2 der Seite 2 „Kindeswohlgefährdung“. Weiter fragt er an, was auf Seite 5 der Punkt „Internetcafé als Begegnungsstätte“ beinhalte.

 

Herr Dietz erklärt, er wolle die Aussage von Herrn Mecklenburg konkretisieren. Den Arbeitskreis Jugendhilfe/Schule gäbe es seit 17 Jahren. Im Laufe der Jahre sei festzustellen, dass die Zusammenarbeit in dem Arbeitskreis und auch in den Schulen immer besser verlaufen würde. Seiner Ansicht nach sei das Konzept sehr schlüssig, sodass man Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen damit gut helfen könne. Voraussetzung hierfür sei natürlich, dass so ein Konzept auch angewandt werde und einen wirklich breiten Raum in der Schulleiterdienstbesprechung und in den Gesamtkonferenzen bekomme.

 

Herr Frein erklärt bezüglich der Bemerkung von Frau E. Meyer, Lehrerinnen und Lehrer seien bereits aufmerksam. Hier gehe es darum, einen verbindlichen Konsens für die Zusammenarbeit zu schaffen, um diese noch reibungsloser zu gestalten. Mit diesem Kooperationsentwurf habe man eine Grundlage, die in Zukunft vielleicht an einzelnen Punkten noch einmal verbessert werden könne. Doch hier habe man die Möglichkeit für die Jugendhilfe, den Ablauf darzustellen. Er gehe davon aus, dass dieses Konzept mit breiter Mehrheit angenommen werde und in den Schulen die Zustimmung findet. Hinsichtlich des Vorschlages von Herrn Mecklenburg, die Vereinbarung in einer Haushaltsdienstbesprechung zu transportieren, teilt Herr Frein mit, dieses sei für ihn ein denkbarer Weg. Doch er würde sich gerne vorab mit der Landesschulbehörde besprechen.

 

Herr Frein führt weiter aus, die Frage der Kindeswohlgefährdung sei extra noch einmal als Punkt aufgenommen worden, weil es wichtig sei, noch einmal zu sagen, es gäbe auch einen Bereich, der in § 8 a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes geregelt sei, wenn es um die Abschätzung von Kindeswohlgefährdung und Misshandlung in diesem Bereich gehe. Er macht deutlich, dass in diesem Fall anders verfahren werden müsse. Bezüglich der Frage zu dem Internetcafé erklärt Herr Frein, hier könne er im Moment auch nicht sagen, was damit gemeint sei. Er werde sich erkundigen und dazu in der nächsten Sitzung Auskunft geben.

 

Herr Sprengelmeyer betont abschließend, es sei wichtig, auch hier die Landesschulbehörde mitzunehmen. Den Vorschlag von Herrn Mecklenburg nehme die Verwaltung gerne auf und werde sich diesbezüglich mit der Landesschulbehörde abstimmen. Darüber hinaus sei vorgesehen, die Vereinbarung regelmäßig weiter zu entwickeln und auch die anderen Bereiche der Jugendhilfe wie z. B. die offene Jugendarbeit und die Jugendsozialarbeit/Jugendberufshilfe einzubeziehen.

 

 

 

Herr Sprengelmeyer bittet um eine kurze Pause, weil die Ausschussvorsitzende vor Beratung Einblick in die Anträge des Jugendrotkreuz nehmen und sich mit der Verwaltung beraten wolle, um anschließend dem Ausschuss einen Vorschlag zum Verfahren machen zu können.  Er bittet, dieser kurzen Unterbrechung zuzustimmen.

 

Frau Grix lässt darüber abstimmen.

 

Dafür: 8

Dagegen: 0

Enthaltungen: 0

 

Es folgt eine zehnminütige Pause.