Beschluss: Kenntnis genommen.

Herr Frein erklärt, im letzten Jahr sei bereits mehrfach im Jugendhilfeausschuss zum Thema Familienhebammen berichtet worden. Der Babybesuchsdienst sei als zweites unabhängiges Projekt geplant und vorbereitet worden und sollte eigentlich zum 01.01.2010 starten. Offiziell sei dieses Projekt jedoch zum 01.02.2010 gestartet und habe mittlerweile sehr viel Fahrt aufgenommen.

 

Herr Geerken führt aus, die Idee des Babybesuchsdienstes sei, dass jedes in Emden registrierte neugeborene Kind Besuch bekommen solle. Dieses geschehe in der Form, dass in einem vom Oberbürgermeister der Stadt Emden unterschriebenen Brief zur Geburt gratuliert und gleichzeitig ein Besuch angeboten werde. Dieser Besuch habe den Hintergrund, die Familien zu allen Themen rund um das Kind zu informieren. So sei es seinerzeit im Rahmen der Familienfreundlichkeit der Stadt Emden beschrieben worden. Seit einigen Wochen arbeite Frau Barbara Reinhard mit an diesem Projekt. Sie werde als Mitarbeiterin diese Besuche tätigen.

 

Herr Geerken führt weiter aus, um dem Babybesuchsdienst den amtlichen Charakter zu nehmen, habe man sich überlegt, dieses Projekt den Namen „Puppvisit“ zu geben. Wichtig sei jedoch, dass der Besuchsdienst nicht in die Familie gehe, um Defizite aufzudecken, sondern um die Familie neutral und bedarfsgerecht zu informieren. Auch habe man vorab klären müssen, wie man an die Adressen der Neugeborenen käme. Hier würde es nunmehr eine Kooperation mit dem Bürgerbüro geben, die regelt, dass der Besuchsdienst alle 14 Tage eine aktuelle Liste aller in Emder Neugeborenen erhalte. Herr Geerken erläutert dann zum Verfahren, dass die Familien angeschrieben würden und ihnen ein Termin vorgeschlagen werde. Hier bestehe für die Familien die Möglichkeit, den Termin zu verschieben oder abzulehnen. Die ersten 30 Briefe seien in der letzten Woche verschickt worden. Am Ende des Projektes werde es eine Auswertung geben.

 

Herr Geerken betont, der Babybesuchsdienst werde nicht als Konkurrent für andere Institutionen auftreten, sondern er wolle versuchen, diese Institutionen ein Stück weit an die Familien heranzutragen. Frau Reinhard werde, wenn sie merke, dass Interesse vorhanden sei, auf das Netzwerk dieser Institution zu sprechen kommen. Jedoch sei der Babybesuchsdienst keine Werbeveranstaltung, bei dem die Familien mit Flyer überhäuft würden. Weiter bemerkt Herr Geerken, es sei natürlich erforderlich, dass bei diesem Besuch auch etwas mitgebracht werde. Hierbei sollte es sich um Gegenstände handeln, die von einer jungen Familie benötigt würden. Man habe sich darauf geeinigt, bei dem ersten Besuch einen Feuermelder und Zeit in Form eines Gutscheins für eine einstündige Kinderbetreuung zu verschenken. Weiterhin wolle man selbstgestrickte Söckchen für die Kinder mitbringen. Herr Geerken appelliert an alle, dem Kinderschutzbund selbstgestrickte Söckchen zu liefern.

 

Abschließend erklärt Herr Geerken, er habe sich auch nicht gescheut, Kontakt zu verschiedenen Firmen aufzunehmen, um so vielleicht die Rauchmelder vergünstigt zu bekommen. Weiter überlege er gemeinsam mit der Stadtbücherei, ob es hier ebenfalls noch eine Idee gebe, bezüglich des Themas Ernährung und Bewegung etwas zu erreichen.

 

Frau Reinhard stellt sich zunächst vor und führt aus, der Babybesuchsdienst werde in der kommenden Woche mit dem ersten Besuch, an dem auch der Oberbürgermeister teilnehme, starten. Ihrer Ansicht nach müsse sich dieses Projekt etablieren. Für die Eltern sei es bestimmt erst einmal ungewöhnlich, dass sie Post von der Stadt Emden und dem Krankenhaus bekäme. Frau Reinhard verteilt die Schreiben, welche an die Eltern versandt werde. Diese beiden Schreiben sind als Anlage beigefügt.

 

Herr Geerken weist darauf hin, dass der erste Brief ein direktes Schreiben des Oberbürgermeisters sei, welches einen offiziellen Charakter habe. Das zweite Schreiben komme von Frau Reinhard und skizziere den Besuch noch einmal. Ziel sei es, alle Familien innerhalb der ersten acht bis zehn Wochen zu besuchen.

 

Herr Ouedraogo erklärt, er freue sich, dass dieses Projekt jetzt gestartet werden könne. Er bedanke sich für das Engagement und fragt an, ob es zeitlich überhaupt machbar sei, diese Besuche zu leisten.

 

Frau E. Meyer begrüßt dieses Projekt und betont, der Name „Puppvisit“ gefalle ihr besonders gut. Weiter bemerkt sie, in der Vorlage stehe, dass es sich um ein Familienhebammenkonzept handele, dabei sei Frau Reinhard gar keine Hebamme. Sie fragt an, wie so ein Besuch aussehen werde.

 

Herr Fooken erklärt, das hier vorgestellte Projekt erhalte ausdrücklich auch die Unterstützung seiner Fraktion. Auch den Namen „Puppvisit“ finde er sehr gut. Bezüglich der Frage von Frau Meyer, erklärt Herr Fooken, der Besuch der Hebamme bei jungen Familien werde bereits über die Krankenkassen gewährleistet. Von daher müsse man hier nicht mehr den Schwerpunkt darauf legen. Er stelle sich jedoch die Frage, ob bei einem Besuch auch darauf geachtet werde, ob es erste Anzeichen für Kinderwohlgefährdung geben würde. Abschließend bittet er darum, nach drei Monaten einen ersten Erfahrungsbericht im Jugendhilfeausschuss zu geben.

 

Frau Risius bemerkt, sie finde das Konzept und den Namen auch sehr gut und sei gespannt auf einen ersten Erfahrungsbericht. Sie erkundigt sich, wie Frau Reinhard reagiere, wenn sie in Problemfamilien komme.

 

Herr Scheffel bedauert es, dass der Babybesuchsdienst erst jetzt seine Arbeit aufnehme, da sein Sohn bereits sechs Monate alt sei. Trotzdem freue er sich, dass das Projekt jetzt starten könne.

 

Herr Schild lobt die Kreativität der Geschenke, die wirklich sinnvoll seien.

 

Herr Sprengelmeyer bemerkt, der Rat habe im Rahmen des Familienhebammenprojekts den Besuchsdienst beschlossen. Darum sei dieses in der Vorlage auch so aufgeführt worden. Bezüglich der Finanzierung erklärt er, die vom Rat zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel seien aus dem letzten Jahr übertragen und bereits mit dem Klinikum verrechnet worden. In Zusammenhang mit den Erfahrungsberichten werde dann erneut darüber zu verhandeln sein.

 

Hinsichtlich der Kindeswohlgefährdung betont Herr Sprengelmeyer, es wäre sehr schlecht, wenn dieses im Zusammenhang mit dem Babybesuchsdienst gesehen werde. Der Besuchsdienst diene der allgemeinen Information aller Eltern von neugeborenen Kindern und sei durchaus positiv zu sehen. Der Begriff Kinderwohlgefährdung führe dazu, dass es hier Absagen geben werde. Aus diesem Grunde sollte er gar nicht erst in diesem Kontext gestellt werden.

 

Frau E. Meyer erkundigt sich, ob sich der Besuch nur auf die Frauen beziehen würde, die im Emder Klinikum entbunden hätten.

 

Herr Geerken erklärt, hinsichtlich der Zeitkalkulation habe er sich bei anderen Städten, bei denen diese Projekte bereits laufen würden, erkundigt, mit welcher Besuchsquote eigentlich zu rechnen sei. Weiterhin habe er sich die Listen aus den Jahren 2007 bis 2009 zu Rate gezogen. Hierbei gehe es um alle Neugeborenen, die in Emden registriert seien. Danach habe man überlegt, wie viel Zeit man für eine Familie benötige und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Stunde persönliche Anwesenheit von Frau Reinhard notwendig sei sowie 15 Minuten Zeit für die Vor- und Nachbereitung. Aus der Personalbedarfsermittlung habe er einen Stellenanteil errechnet, der von Frau Reinhard besetzt werde. Er gehe davon aus, dass es in Emden ungefähr 300 bis 330 Neugeborene geben würde und dass sei auch die Anzahl, die von Frau Reinhard in diesem Jahr betreut werde.

 

Herr Geerken führt weiter aus, bereits im letzten Jahr habe er im Jugendhilfeausschuss das Familienhebammenkonzept vorstellen dürfen. Darunter würde sich eine Betreuung von Familien verbergen, die gewisse Schwierigkeiten hätten. Das Projekt, welches mit der Stadt Emden aufgebaut worden sei, habe die Überschrift Familienhebammenkonzept. Dieses sei auf der einen Seite die Familienhebammenzentrale und auf der anderen Seite der Babybesuchsdienst. Dieses müsse man thematisch auseinanderhalten. In der Stadt Essen habe es die Erfahrung gegeben, dass dort der Besuchsdienst über das Jugendamt organisiert werde. Hier würde sich keine der Familien melden. Er begrüße es, dass dieses Projekt im Klinikum angesiedelt sei, da ein Krankenhaus ein neutraler Ansprechpartner rund um das Thema Gesundheit sei. Er lege besonderen Wert darauf, dass der Babybesuchsdienst als neutrale Beratung akzeptiert werde. Wenn man jedoch feststellen würde, dass eine Kindeswohlgefährdung zu erwarten sei, dann müsse dieses natürlich gemeldet werden.

 

Abschließend bemerkt Herr Geerken, gerne sei er bereit, in drei Monaten einen Erfahrungsbericht zu geben.