Beschluss: einstimmig

Der Jugendhilfeausschuss beschließt die Bereitstellung von insgesamt 30.000 € in den Haushalten 2013 und 2014 für die Entwicklung und Durchführung eines Jugendtheaterprojektes der Zerstörung Emdens am 06.09.1944.

 

 


Herr Sprengelmeyer führt aus, im letzten Jahr sei eine Gruppe unter Federführung des Landesmuseums eingerichtet worden, die sich mit der Ausgestaltung des 6. Septembers beschäftigt habe. Diese Gruppe treffe sich regelmäßig und habe überlegt, wie man die Erinnerungsarbeit in Emden aufrechterhalten könne. Im Rahmen dieser Überlegungen sei die Idee entstanden, zum 70. Jahrestag der Zerstörung Emdens ein Theaterprojekt in Auftrag zu geben, welches sich mit der Geschichte beschäftige, wie es dazu gekommen sei und was dieses eigentlich mit der aktuellen Lebenssituation der Menschen zu tun habe. Die BBS II habe diese Grundidee sofort aufgenommen und erklärt, dass sie mit der Rampe dieses gerne durchführen möchten. Daraufhin habe man sich in dem in der Vorlage aufgezeichneten Kreis getroffen und diese Idee weiterentwickelt. Derzeit werde Material gesammelt, sodass ab dem Sommer das Theaterstück geschrieben und im nächsten Jahr mit den Proben begonnen werden könne. Die Premiere ist für den 06.09.2014 vorgesehen.

 

Hinsichtlich der finanziellen Auswirkungen führt Herr Sprengelmeyer aus, hier handele es sich um Maximalausgaben, die in diesem Jahr noch nicht anfallen würden. Er gehe davon aus, dass diese Ausgaben bis zum Ende des Jahres konkretisiert werden könnten. Möglicherweise könne man auch noch Projektfördermittel einwerben. Diesbezügliche Gespräche hätten bereits stattgefunden. Er weist darauf hin, dass die Summe in Höhe von 30.000 € ein Maximum sei. Seiner Ansicht nach sei es sehr wichtig, die Erinnerungsarbeit zu intensivieren, zumal die Zeitzeugen aussterben würden. Es sei zu beobachten, dass in den jüngeren Generationen die Erinnerung langsam nachlasse. Von daher sei es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das Gedenken als Fortbestand für den Frieden aufrechtzuerhalten.

 

Herr Fooken bedankt sich. Für ihn sei es sehr wichtig, diese Erinnerungsarbeit zu leisten, um die Gefahren, die sich in der letzten Zeit wieder breit gemacht hätten, einzudämmen und den Jugendlichen vor Augen zu führen, was damals eigentlich passiert sei. Er habe sich anfangs die Frage gestellt, warum diese Vorlage nicht im Ausschuss für Kultur und Erwachsenenbildung behandelt werde. Dieses sei ihm nunmehr deutlich geworden. Er schlägt vor, durch die im Rahmen des Theaterprojektes erhobenen Eintrittsgelder einen Teil der Kosten zu decken. Auch halte er es für sehr wichtig, die Schulen vor Ort mit Ausnahme der Grundschulen zur Teilnahme zu verpflichten und somit den Kindern und Jugendlichen die damaligen Geschehnisse vor Augen zu führen.

 

Frau E. Meyer schließt sich den Ausführungen von Herrn Fooken an. Auch sie halte das Projekt für sehr wichtig, zumal die Zeit schnell vergehe und die Zeitzeugen aussterben würden. Sie hoffe, dass hierdurch die Ereignisse im Gedächtnis der Jugendlichen wieder in Erinnerung gerufen würden. Ihres Erachtens müsste das Finanzielle bei einer solchen Sache in den Hintergrund gestellt werden.

 

Herr Ohling stellt fest, die CDU-Fraktion könne diese Beschlussvorlage so nicht mittragen, da sie noch Beratungsbedarf habe und gerne mit den Initiatoren sprechen würde. Zudem würden die hier eingeplanten Kosten erst den Haushalt 2013 betreffen, sodass dieser Punkt auch in den Haushaltsberatungen im nächsten Jahr bearbeitet werden könne.

 

Herr Ouedraogo bemerkt, er begrüße dieses Projekt, das die kulturelle Vielfalt in der Gesellschaft stärken würde.

 

Herr Grix erklärt, er könne nicht nachvollziehen, aus welchem Grunde die CDU-Fraktion noch Beratungsbedarf habe. Seines Erachtens müssten die noch vorhandenen Erinnerungen an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden, damit diese Ereignisse nicht wieder geschehen würden. Für ihn seien diese 30.000 € wahrhaftig kein herausgeschmissenes Geld, um die jetzige Generation darauf hinzuweisen, was damals passiert sei. Sein ganzes Leben sei nachhaltig durch dieses Erlebnis zerstört worden und er habe lange gebraucht, darüber hinwegzukommen. Er sei davon überzeugt, dass die hier aufgelistete Vorbereitungsgruppe durchaus in der Lage sei, diese Erinnerungen mit unheimlich viel Feingefühl aufzuarbeiten.

 

Frau Meinen bedankt sich bei Herrn Grix für seine klaren und einfühlsamen Worte.

 

Frau Engelberts bedankt sich ebenfalls für den Beitrag von Herrn Grix. Sie bemerkt, sie halte den Kostenrahmen überhaupt nicht für hochgegriffen, denn eine solche Vorbereitung erfordere viel Engagement und Zeit und man benötige eine gewisse Planungssicherheit. Ihrer Ansicht nach sollte man die Jugendlichen nicht zur Teilnahme verpflichten müssen, sondern das Interesse bei ihnen wecken, damit sich wieder ein politisches Bewusstsein entwickele und man mit ihnen ins Gespräch kommen könne.

 

Herr Fooken erklärt, auch er könne die Haltung der CDU-Fraktion nicht verstehen. Auch seiner Meinung nach müsse jetzt das Signal gegeben werden, dass die Mittel für 2013/2014 zur Verfügung gestellt würden, denn ein solches Projekt müsse von langer Hand vorbereitet werden. Bezüglich des Eintrittsgeldes bemerkt Herr Fooken, eventuell könnte man dieses für weitere in diese Richtung gehende Maßnahmen verwenden. Ihm gehe es darum, zu gucken, wie die Schulen überhaupt beteiligt seien. Er halte eine Verpflichtung zur Teilnahme eigentlich für unheimlich wichtig.

 

Herr Ohling betont, auch seine Fraktion halte das Projekt für wichtig. Aber dennoch wolle man zunächst mit den Initiatoren sprechen.

 

Frau E. Meyer stellt heraus, sie könne den Beratungsbedarf der CDU-Fraktion nicht nachvollziehen und bittet darum, das Verfahren nicht unnötig in die Länge ziehen, zumal das Theaterstück noch geschrieben und Texte gelernt werden müssten.

 

Herr Ouedraogo führt aus, seiner Meinung nach konzentriere sich die Diskussion zu sehr auf dieses Theaterstück. Seine Vorstellungen würden darüber hinausgehen. Durch so ein Projekt habe man die Möglichkeit, nicht nur die Vergangenheit zu verarbeiten, sondern auch für die Zukunft etwas zu tun. Er hoffe, dass damit eine Basis geschaffen werde, auf die immer wieder zurückgegriffen werden könne

 

Frau Engelberts ist ebenfalls der Ansicht, das Thema müsse aufgegriffen werden. Die jüngsten Ereignisse der rechten Terrorszene hätten gezeigt, dass schon viel zu lange weggesehen worden sei. Ihrer Ansicht nach stehe man in der Verantwortung und müsse sich für diese Sache einsetzen.

 

Herr Fooken schlägt der CDU-Fraktion vor, sich auf einen Kompromiss einzulassen und zuzustimmen. Gleichzeitig sollte die Verwaltung aufgefordert werden, im nächsten Jugendhilfeausschuss einen ersten Sachstandsbericht zu geben.

 

Herr Sprengelmeyer bemerkt, in der nächsten Jugendhilfeausschuss-Sitzung könnte durchaus ein Zwischenbericht gegeben werden. Er geht anschließend auf die Zusammensetzung der Vorbereitungsgruppe ein. Herr Sprengelmeyer betont, diese Gruppe brauche auch ein Stück Planungssicherheit. Er schlägt vor, in einer der nächsten Sitzungen auch einen abgestimmten Finanzplan vorzulegen. Die Thematik, wie die Schulen insgesamt in diese Aktivität einbezogen würden, sei ein Diskussionspunkt, der in der Gruppe schon intensiv beraten worden sei. Er begrüße es, dass sich diese Vorbereitungsgruppe bereits 2,5 Jahre vorher auf den Weg mache. Wie er bereits angedeutet habe, gehe er nicht davon aus, dass die 30.000 € auch tatsächlich benötigt würden. Im Übrigen stehe bei den finanziellen Auswirkungen, dass darüber noch in der Strukturkommission beraten werden müsse. Der Jugendhilfeausschuss könne im Grunde genommen jetzt nur in der Sache entscheiden. Er gibt zu bedenken, dass die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses Vertreter der Kinder und Jugendlichen auch gegenüber ihren Fraktionen sei. Die Strukturkommission und damit der Rat habe immer noch die Möglichkeit, dass Geld nicht zur Verfügung zu stellen.

 

Frau Meinen gibt zu bedenken, dass sich viele Menschen damit bereits auseinandergesetzt hätten und auch ein Stück Ehrenamt dabei sei, ein solches Projekt auf den Weg zu bringen. Ihrer Ansicht nach würde es auch das Votum des Jugendhilfeausschusses bedürfen.

 

Weiter führt sie aus, die CDU-Fraktion habe den Antrag gestellt, die Beschlussvorlage in die Fraktionen zu verweisen. Zwar sei es eigentlich bei einer solchen Antragstellung immer üblich, dass die anderen Fraktionen dieses mittragen würden. Aber aufgrund der Diskussionsbeiträge werde sie den Antrag zur Abstimmung bringen.

 

Frau Meinen lässt über den Antrag der CDU-Fraktion, die Beschlussvorlage 16/0192 in die Fraktionen zu verweisen, abstimmen.

 

Ja-Stimmen: 1

Nein-Stimmen: 9

Enthaltungen: 0

 

Frau Meinen stellt fest, dass damit der Antrag abgelehnt worden sei. Anschließend lässt Frau Meinen über die Beschlussvorlage abstimmen.

 

 

 

 

Ja-Stimmen: 9

Nein-Stimmen: 0

Enthaltungen: 1