Eine Bürgerin schilderte ausführlich, wie sie im Stadtwald von einem Jäger gebeten worden sei, den Wald zu verlassen. Dieser Vorfall veranlasst sie, folgenden Fragenkatalog vorzubringen.

 

Beantwortung der Fragen:

 

Herr Kleiminger gibt zum besseren Verständnis vorab eine kurze Erläuterung des Reviersystems in Deutschland:

 

Aufgrund des in Deutschland seit 1850 herrschenden Reviersystems sind alle Flächen, die nicht zu einem befriedeten Bezirk gehören, in einzelne Jagdbezirke aufgeteilt. Dem Reviersystem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass das Grundeigentum in der Regel zu klein ist, um eine sachgerechte Hege und Jagdausübung zu ermöglichen.

 

Je nach Größe unterscheidet man zwischen gemeinschaftlichen Jagdbezirken und Eigenjagdbezirken. Die Eigentümer der Grundflächen, die zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk gehören, bilden eine Jagdgenossenschaft. Diese ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und wird von einem gewählten Jagdvorstand gerichtlich und außergerichtlich vertreten.

 

2013 hat der Gesetzgeber die automatische Mitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft insoweit geändert, dass nach § 6a des Bundesjagdgesetzes, Grundeigentümer aus ethischen Gründen einen Antrag auf Befriedung ihrer Fläche stellen können. Um weiterhin eine ordnungsgemäße Bejagung und Hege gewährleisten zu können, müssen für das Ausscheiden aus einer Jagdgenossenschaft zahlreiche Voraussetzungen erfüllt werden, z. B. kann der Antrag auf Befriedung nur von natürlichen Personen gestellt werden.

 

  1. Von wem und nach welchen Kriterien werden Jagdpachten vergeben?

 

Die Jagdgenossenschaft oder bei einem Eigenjagdbezirk der Grundstückseigentümer können das ihnen zustehende Jagdausübungsrecht verpachten.

 

Pächter kann nur eine natürliche Person sein, die im Besitz eines Jagdscheins ist und diesen bereits während der letzten drei Jahre in Deutschland besessen hat. Der Pachtvertrag muss schriftlich geschlossen werden und eine Dauer von mindestens 9 Jahren haben.

 

Ein Teil des Emder Stadtwaldes gehört zur Jagdgenossenschaft „Emden östlicher Teil und Harsweg“. Diese hat ihr Jagdrecht verpachtet.

 

Der andere Teil des Stadtwaldes gehört zum Gemeindegebiet Suurhusen und untersteht somit der Jagdbehörde des Landkreises Aurich.

 

  1. Wo bzw. wie werden Jagdpächter namentlich bekannt gegeben?

 

Die Namen der Jagdpächter sind den Mitgliedern der Jagdgenossenschaft und der zuständigen Jagdbehörde bekannt. Da es sich bei Pachtverträgen um privatrechtliche Verträge handelt, unterliegen diese dem Datenschutz.

 

  1. Werden die Grundstückseigentümer davon in Kenntnis gesetzt?

 

Die Grundstückseigentümer sind Mitglieder der Jagdgenossenschaft und haben daher vollumfassende Kenntnis von der Verpachtung.

 

  1. Weshalb muss in einem Naherholungsgebiet, in dem sich Kinder, Jogger, Touristen und Spaziergänger täglich aufhalten, gejagt werden?

 

Da es sich bei dem Gebiet um einen Jagdbezirk handelt, muss dort den Vorschriften des Niedersächsischen Jagdgesetzes zur Jagd Rechnung getragen werden. Hierzu gehört u. a. auch der Jagdschutz, d. h. die Fütterung des Wildes, die Wildseuchenbekämpfung und das Erlösen und Beseitigen von schwerkrankem Wild.

 

Die Nähe zur Autobahn A31 und der Auricher Straße, als stark befahrene Einfallsstraße, und die damit verbundenen Gefahr von Wildunfällen machen eine gezielte Bejagung notwendig. Im Rahmen des Wiesenvogelschutzprogrammes erfolgt in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde dort eine verstärkte Bejagung von Krähen und Elstern.

 

Für den Bereich des Flugplatzes ist den Sicherheitserfordernissen der Luftfahrt Rechnung zu tragen. Der Emder Flugplatz ist frei zugängliches Gelände. Somit besteht auch hier ein erhöhtes Risiko von Wildunfällen, insbesondere Vogelschlag, das nur durch entsprechende jagdliche Maßnahmen minimiert werden kann.

 

„Naherholungsgebiete“ sind in der Regel auch Jagdgebiete, da dort sonst der Tierbestand überhand nehmen würde, was nicht nur die Gefahr von Wildunfällen, sondern auch die Gefahr von Wildseuchen erheblich vergrößern würde. Dass die Jagd in einem Naherholungsgebiet unter Einhaltung aller jagdlichen Vorschriften und mit der gebotenen Rücksicht erfolgen muss, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

 

Die Übertragung der Verantwortung auf Hege und Abschuss auf den Jagdausübungsberechtigten/Revierinhaber hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Wildbestand in Deutschland trotz der hohen Siedlungs- und Industriedichte im Vergleich zu anderen Ländern mit ähnlichen Verhältnissen zahlen- und artenmäßig ausgesprochen hoch ist.

 

  1. Sind das umliegende Weideland und die Grünflächen nicht ausreichend?

 

Das Wild würde die bejagten Flächen meiden und im Wald Deckung suchen. Dadurch würden sich nicht nur die Wildschäden (z. B. Verbiss) erhöhen. Durch die Konzentration müssten sich mehr Tiere das beschränkte Futterangebot teilen, das würde auch die Gefahr von durch Nahrungsmangel bedingten Krankheiten und Tierseuchen erhöhen.

 

Durch ein Einstellen der Bejagung würde sich auch das durch den Menschen in den vergangenen Jahren verursachte Missverhältnis zwischen den Tierarten weiter erhöhen, da die Jagd nicht nur das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen/alten und jungen Tieren (z. B. beim Rehwild), sondern auch das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Tierarten (z. B. Wiesenbrüter/Füchse) erhalten werden soll.

 

  1. Welche Pflichten haben Jäger, die Gesundheit und das Leben der Bürger in einem öffentlichen Naherholungsgebiet zu gewährleisten?

 

Sowohl im Jagdrecht als auch in den Unfallverhütungsvorschriften zur Jagd finden sich Regelungen, die sich auf die sichere Durchführung von Jagden beziehen.

 

  1. Wäre es nicht sinnvoll die Besucher durch die Presse und durch aufgestellte Schilder zu informieren?

 

Bei Drückjagden sind entsprechende Warnschilder aufzustellen. Ein Gebiet als Jagdbezirk zu kennzeichnen ist unüblich, da alles was nicht zu einem befriedeten Bezirk gehört, grundsätzlich ein Jagdbezirk ist. Die Jagdbehörde wird aber gemeinsam mit der Emder Jägerschaft und in Zusammenarbeit mit der Jagdbehörde nach einer geeigneten Lösung suchen.

 

  1. Mit welchem Recht darf mich ein Jäger an meinem Spaziergang hindern?

 

Das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) regelt das u. a. Betretungsrecht  von Wald und Flur. Grundsätzlich gilt das freie Betretungsrecht (§ 23). Demnach darf kein Spaziergänger am Betreten gehindert werden. Dieses Recht kann aber zur Jagdausübung eingeschränkt werden, wenn andere Maßnahmen nicht möglich sind.

 

Das Gesetz legt in § 33 auch fest, dass in der freien Landschaft jede Person verpflichtet ist, dafür zu sorgen, dass ihrer Aufsicht unterstehende Hunde nicht streunen oder wildern.