TOP Ö 8: Friedhof an der Neuen Kirche

Beschluss: Kenntnis genommen.

Herr Strelow begrüßt die Herren Matthias Pausch und Dr. Rolf Uphoff und bittet um ihre Ausführungen.

 

Herr Dr. Uphoff erklärt, er sei gebeten, Recherchen hinsichtlich des Friedhofs an der Neuen Kirche anzustellen. In der ersten Registratur des Stadtarchivs würde es das älteste Dokument geben, das die Gründung dieses Friedhofes erhalte. In einem Schriftwechsel aus dem Jahre 1574 gehe es um den Erwerb der Grünfläche für die Anlage des Friedhofs durch die Stadt Emden. Herr Dr. Uphoff geht kurz auf Geschichte des Friedhofs ein und bemerkt abschließend, man habe nunmehr die Gewissheit, dass es sich ursprünglich um eine freie Fläche gehandelt habe, die nach Aussage der Schriftstücke umzäunt gewesen sei. Da die Kapazität des Friedhofes an der damaligen Großen Kirche nicht mehr ausreichte, sei dieser Friedhof angelegt worden. Dadurch spiegele sich auch das Bevölkerungswachstum in Emden durch die niederländische Einwanderung und die erhebliche Sterblichkeit wieder. Zu dieser Zeit herrschten in Emden zahlreiche Epidemien, die viele Todesopfer geforderten hätten.

 

Herr Pausch bedankt sich für die Einladung und stellt dann anhand einer PowerPoint-Präsentation eine Bestandsaufnahme des Friedhofes Neue Kirche vor. Die Präsentation ist im Internet unter www.emden.de einsehbar.

 

Herr Strelow bedankt sich für die Ausführungen und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Bolinius führt aus, die FDP-Fraktion habe sich vor einigen Jahren bereits mit diesem Thema beschäftigt und einen entsprechenden Antrag an die Verwaltung gestellt, die Gräber entsprechend aufzunehmen und sich dann um Grabpatenschaften zu kümmern. Da die Aufnahme nunmehr erfolgt sei, fragt er an, wie die Verwaltung vorgehen wolle, um einzelne Gräber entsprechend zu erhalten. Er bittet hier um einen Sachstand.

 

Weiter stellt er heraus, da diese kulturellen Dinge erhalten werden müssten, begrüße er dieses Projekt. Seiner Ansicht nach müsste ein Plan vorhanden sei, wie man weiter vorgehen wollen und welche Mittel zur Verfügung stehen würden, um die wichtigsten kulturellen Grabmäler zu erhalten.

 

Herr Bongartz erklärt, auch er würde es sehr gut finden, dass man den Auftrag erteilt habe, sich um diese alten Friedhöfe in dieser Art und Weise zu kümmern. Dieses Thema gehöre seiner Meinung nach in den Ausschuss für Kultur und Erwachsenenbildung und keineswegs in einer Werksausschuss des Bau- und Entsorgungsbetriebes. Von daher sei es genau richtig, dass sich dieser Ausschuss mit dem kulturellen Erbe beschäftige. Gerade eben habe man hören können, dass das Herangehen an diese Dinge auch sehr teuer werden könne. Hier müsse man sehen, ob man bei der nächsten Haushaltsberatung einen Weg finde, der es möglich machen, einen Anfang zu machen.

 

Er führt weiter aus, wenn man über die Friedhöfe gehe, könne man feststellen, dass diese einfach verkommen aussehen würden. Bei vielen Gräbern seien die Grabsteine umgefallen und es würde sich seit Jahren niemand mehr darum kümmern. Hier müsse auch gemeinsam mit dem BEE ein Weg gefunden werden, ob diese Gräber nicht weggeräumt werden könnten.

 

Herr Bongartz bedankt sich für die gute Arbeit und bemerkt, der von Herrn Bolinius angeregte Vorschlag hinsichtlich der Grabpatenschaften sollte in Augenschein genommen werden. Vielleicht würde es Bürgerinnen und Bürger geben, die eine solche Patenschaft unterstützen möchten.

 

Herr Haase bedankt sich ebenfalls für die hervorragende Arbeit. Seiner Meinung nach sei es schon beeindruckend, wie man sich in Emden systematisch des eigenen kulturellen Erbes immer stärker bewusst werde. Er stimmt der Aussage von Herrn Bongartz zu, der Allgemeinzustand der Friedhöfe sei ein Thema. Bezogen auf die kulturhistorischen wertvollen und typisch für bestimmte Epochen Grabdenkmale sei es jedoch etwas anderes. Dieses sei ein Ausdruck dessen, wie die Emderinnen und Emder vor bis zu dreihundert Jahren mit ihren Toten umgegangen seien.

 

Herr Haase gibt zu bedenken, dass städtisches öffentliches Geld zwei Komponenten habe. Man habe jedoch eine ganze Reihe von Pflichtaufgaben, die zu erledigen seien. Daher sei diese Arbeit eigentlich dafür prädestiniert, dass man versuche, die Emder Bürgerschaft dafür zu begeistern. Auch er begrüße die Idee der Grabpatenschaften von Herrn Bolinius und könnte sich vorstellen, dass Interessierte einen solchen Verein gründen würden. Allerdings falle es ihm schwer, wenn er sich die Hochrechnung für einen Friedhof mit ¼ Mio. € und dann die nächsten Ziele wie der Friedhof der Schweizer Kirche, der Friedhof in Wybelsum und weitere ansehe. Hier sei man dann schnell bei einem Betrag, den er objektiv nicht sehen würde. Man dürfe keine Illusion verfallen, doch seitens der Stadt Emden alles versuchen, die Friedhöfe sauber zu halten und verwahrloste Grabstellen, die keinen kulturhistorischen Wert hätten, abzuräumen. Er würde dieses im Moment als einzigen Weg sehen, wie die Stadt Emden würdig mit ihrem eigenen Erbe umgehen könne. Er gibt zu bedenken, dass man sich bei dem einen oder anderen Grabstein die Inschrift noch einmal angucken und ein bisschen Genealogie betreiben sollte, denn nicht jedes verwahrloste Grab habe keine Nachfahren. Insoweit wäre dieses ein Ansatz, anhand der Namen und der alten Archivbücher eventuelle Nacherben zu finden. Er könne sich vorstellen, dass der eine oder anderes auch bereit wäre, sich daran zu beteiligen.

 

Frau Baumfalk erklärt, auch sie könne sich Patenschaften vorstellen. Die Aktion mit den Stolpersteinen sei hierfür ein gutes Beispiel. Eine andere Möglichkeit wäre es, sich nach Fördergeldern zu erkundigen. Frau Baumfalk berichtet von ihrem Aufenthalt in Venedig, wo es Friedhofsinseln geben würde und regt an, sich zu erkundigen, wie andere Länder verfahren würden.

 

Herr Bornemann schließt sich dem Dank für die Aufarbeitung an. Nach seiner Kenntnis habe die Verwaltung bisher bezüglich der Patenschaften noch nichts organisiert. Zunächst einmal müsse eine Bestandsaufnahme vorliegen. Gerade auch das genannte Beispiel Stolpersteine sei sehr mit viel Ehrenamtlichkeit organisiert worden. Daher müssten Politik und Verwaltung gemeinsam erörtern, in welcher Weise sich Menschen persönlich engagierten könnten.

 

Weiter erklärt Herr Bornemann, die Frage des Geldes sei eine Sache der Haushaltsberatungen. Alle würden wissen, dass jeder Euro, der an einer Stelle mehr ausgegeben werde, an einer anderen Stelle einspart werden müsse. Von daher müsse man sich gemeinsam auf den Weg machen, um eine Regelung zu finden. Dabei seien Patenschaften sicherlich ein sehr gute Möglichkeit.

 

Herr Züchner berichtet aus seiner Erfahrungen, die er im Jahre 1963 bei der Friedhofsneuorganisation in Pilsum gemacht habe. Da in dieser Zeit der Denkmalsgedanken nicht so hoch gesetzt worden sei, seien viele alte Grabmale einfach abgeräumt worden.

 

Herr Strelow bemerkt, bei der letzten Mitgliederversammlung des Bauvereins sei berichtet worden, dass man sich der Thematik des Friedhofs Neue Kirche annehmen möchte. Aus seiner Sicht sei der Bauverein Neue Kirche für diese zukünftige Aufgabe buchstäblich prädestiniert. Herr Pausch werde seinen Vortrag auf in der nächsten Mitgliederversammlungen vorstellen, damit das Thema dort kommuniziert werde.