Beschluss: Kenntnis genommen.

Herr Bolinius erklärt, er sei Mitglied der Ostfriesischen Landschaft. Bei der letzten Landschaftsversammlung habe Herr Collmann erwähnt, dass es Bestrebungen geben würde, ein Zentralmagazin für Ostfriesland zu installieren. Auch seien bereits Gespräche geführt worden. Da er davon zu diesem Zeitpunkt nichts davon gewusst habe, sei er sehr überrascht gewesen, dass auch Emden genannt worden sei.

 

Herr Dr. Jöhnk führt aus, dass die Stadt Emden ein Magazinbedarf habe, sei schon sehr lange im Gespräch. Auch die Ostfriesische Landschaft würde vor allem mit ihren archäologischen Beständen an die Grenzen stoßen. Er habe auch mit Herrn Dr. Bärenfänger darüber gesprochen, der das Thema dann im Direktorium des Landesmuseums vorgestellt habe. Aufgrund dieses ersten Termins habe es dann seitens der Ostfriesischen Landschaft eine Einladung gegeben. Darüber hinaus sei noch nichts passiert. Letztendlich sei es in diesem ersten Termin zunächst darum gegangen, den Bedarf zu erläutern. Man sei dort mit verschiedenen Institutionen aus dem musealen Bereich und Archivbereich aus ganz Ostfriesland zusammengekommen. Am Anfang gehe es lediglich darum, die Größe der Bedarfe festzustellen. Zu dem Punkt, den das Ministerium betreffe, könne er nichts sagen, da er jetzt auch das erste Mal davon überhaupt erfahren habe, dass es offensichtlich einen Kontakt gegeben habe.

 

Weiter erklärt Herr Dr. Jöhnk, von Seiten des Museums sei einfach geschaut worden, wie groß die Bedarfe für die nächsten 30 Jahre seien. Das habe man auch der Landschaft mitgeteilt. Dieses sei nunmehr die Grundlage für die konzeptionellen Überlegungen, die man gemeinsam anstellen wolle.

 

Bezüglich der Situation im Landesmuseum führt er aus, das Magazin in Borssum sei voll, sodass man im Moment nicht mehr in der Lage sei, große Objekte aufnehmen zu können. Im Zusammenhang des Gütesiegels habe man eine Begehung mit einem Spezialisten gehabt, der gleichzeitig Restaurator sei. Abgesehen von einigen Kleinigkeiten, die man optimieren könne, sei man, was die Gesamtsituation angehen würde, gut aufgestellt.

 

Herr Dr. Uphoff erklärt, er wolle nunmehr zu der Situation im Archiv Stellung nehmen. Momentan würden in dem Bunker in der Kirchstraße etwa 1.300 laufende Regalmeter stehen. Zudem würde sich dort noch eine Archivbibliothek von ca. 8.000 Blatt befinden. Das Stadtarchiv sei im Grunde das größte Kommunalarchiv in Ostfriesland und brauche den niedersächsischen Vergleich nicht zu scheuen. Mit dem Bunker in der Kirchstraße sei man jedoch an die Grenze der Aufnahmefähigkeit angelangt. Die Bestände könnten wegen der fehlenden Regalmeter nur noch langsam akribisch erschlossen werden. So sei das Deutsche Heringsarchiv, was nach Emden gehöre, zurzeit beim Staatsarchiv Aurich deponiert. Dazu könnte man auch noch das Archiv der Kunst nennen, was im Prinzip eigentlich zu den Beständen des Stadtarchivs hinzugeführt werden müsste, weil es entscheidende Elemente aus der Stadtgeschichte enthalte. Ein weiteres Problem sei das Archiv in der Kirchstraße 18 selber. Dort sei alles sehr beengt. Es würde nur einen kleinen Benutzersaal, keine ausreichenden Büroflächen, keinen Sozialraum und auch keine Werkstattflächen geben. Er ziehe daraus das Fazit, dass die Stadtarchivfrage wirklich umfassend gelöst werden müsse. Es würde ein neues Archiv benötigt. Seiner Meinung nach würde eine Verlagerung der Bestände oder des gesamten Archivkörpers in ein auswärtiges Magazin keine umfassende Lösung darstellen. Es würden sogar neue Kosten entstehen, da eine Infrastruktur geschaffen werden müsse. Auch nütze es nichts, wenn in Aurich ein Archiv bestehe und die Benutzer nach Emden kämen. Nach seiner Ansicht sei ein Kommunalarchiv nur dann eins, wenn es in der Kommune funktioniere.

 

Herr Dr. Uphoff berichtet aus seinen Praktikumserfahrungen im Stadtarchiv Mainz, wo das Archiv fünf Außenmagazine unterhalten habe. Dort habe eine große Infrastruktur errichtet werden müssen, um den Benutzern zeitnah die Archivarien zur Verfügung zu stellen. Ähnliche Erfahrungen würde es auch beim Landesarchiv in Hannover geben. Er stellt fest, dass dieses keine glückliche Lösung sei. Auch müsse man sich fragen, welche Dimensionen ein solches Zentraldepot habe und um welche Kosten es gehe. Zudem rede man hier nicht nur von Archiven, sondern auch von musealen Sammlungen, Kunstobjekten usw. Auch stelle sich die Frage der verschiedenen Lagerungsbedingungen. Er wisse nicht, ob die Überlegungen so konkret seien, dass dieses eine Lösung für das Stadtarchiv sei. Evtl. könne man sich überlegen, ob es eine Übergangslösung sei, bevor man zu einem endgültigen neuen Stadtarchiv komme. Seiner Ansicht nach sollte man lieber daran arbeiten, für das Stadtarchiv eine endgültige Lösung hier vor Ort zu bekommen, als dass man wieder mit einem Provisorium arbeite.

 

Herr Strelow bedankt sich und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Bolinius führt aus, wenn er Herrn Dr. Uphoff richtig verstanden habe, sei er für ein Kommunalarchiv vor Ort. Dieser Meinung würde er sich anschließen. Wie Herr Dr. Jöhnk gesagt habe, sei man wohl mit dem Zentralmagazin, wo Kunstobjekte und Skulpturen gesammelt würden, überhaupt noch zu keinem Entschluss gekommen.

 

Herr Dr. Jöhnk bemerkt, Herr Dr. Bärenfänger habe ihm geschildert, dass es diese Idee eines Zentralarchivs geben würde. Bisher habe es nur diesen einen ersten gemeinsamen Besprechungstermin gegeben, wo die Gesamtsituation eruiert worden sei. Auf der Grundlage seien zunächst einmal nur die Daten zusammengetragen worden. Mehr könne er zu der Lage nicht sagen.

 

Herr Bolinius fragt an, wie die Verwaltung zu der Frage des Zentralmagazins stehe.

 

Herr Schmidt führt aus, bereits vor 15 Jahren sei darüber nachgedacht worden, in Ostfriesland ein Zentralmagazin zu schaffen. Das habe nichts mit dem Ostfriesischen Landesmuseum zu tun. Es gehe hier um kleinere Häuser in der Region, die keine adäquaten Lagermöglichkeiten hätten. Deswegen habe die Ostfriesischen Landschaft damals darüber nachgedacht, ein größeres Gebäude anzumieten oder vielleicht bauen zu lassen, um den kleineren Museen die Möglichkeit zu geben, ihre Objekte an einem konservatorischen hervorragenden Ort zu lagern. Dieses sei nach 15 Jahren wieder aufgekommen. Nun komme allerdings auch das Ostfriesische Landesmuseum mit ins Spiel, weil zwischenzeitlich festgestellt worden sei, dass die Lagermöglichkeiten in Borssum nicht mehr ausreichen würden. Im Bereich Möbel könnten keine Zuwächse mehr angenommen werden, im Bereich der Steine müsste man auch zu einer Lösung kommen, denn viele Grabsteine würden der Witterung ausgesetzt sein. Aus diesem Grunde sei gefordert worden, ein weiteres Gebäude bauen zu lassen auf dem Gelände in Borssum, was natürlich einen Kostenfaktor mit sich bringe. Jetzt komme die Diskussion mit einem Zentralmagazin wieder dazu und man könnte sagen, man beteilige sich mit den Objekten, die momentan nicht ständig in der Dauerausstellung gezeigt würden. Um auch zukünftig noch weitere Objekte entgegennehmen zu können, benötige man 4.000 m³.

 

Weiter führt Herr Schmidt aus, er habe vor 20 Jahren den Umzug vom Rathaus in die Kirchstraße organisiert und sei ein großer Nutzer des Emder Stadtarchivs. Daher sei er der Meinung, das Emder Stadtarchiv müsse definitiv in Emden bleiben und dürfe nicht nach Aurich ausgelagert werden. Es würde seit über zehn Jahren die Diskussion über ein Zentralarchiv mit dem Staatsarchiv Aurich zusammen geben, welches aber hier in Emden angesiedelt werden müsste, da Emden mit 50.000 Einwohnern die größte Stadt in Ostfriesland sei. Auch das Staatsarchiv Aurich würde heute nicht mehr Staatsarchiv, sondern Landesarchiv Standort Aurich heißen. Teile der magazinierten Archivarien seien bereits nach Stade ausgelagert worden. Es könne nicht sein, dass jemand, wenn er in Ostfriesland zur ostfriesischen Geschichte recherchieren möchte, nach Stade fahren müsste. Aus diesem Grunde plädiere er dafür, in Emden eine Verbesserung der Archivsituation herbeizuführen.

 

Herr Bornemann ergänzt, Herr Schmidt habe eindrucksvoll geschildert, aber es würde zu dieser Frage keine Verwaltungsmeinung geben, weil das Thema noch nicht bei der Verwaltungsspitze angekommen sei. Seit einem kurzen informellen Hinweis seitens der Ostfriesischen Landschaft habe er persönlich nichts mehr von dieser Sache gehört. Eine Meinung könne er sich definitiv erst bilden, wenn die Überlegungen konkret seien. Aus diesem Grunde werde er das Thema Zentralarchiv in Aurich von seiner Seite nicht aufgreifen, sondern warte ab, was von der Landschaft gesagt werde. Er erwarte auch, dass es dann auf der Ebene der Hauptverwaltungsbeamten ein Gespräch dazu geben werde.

 

Weiter führt Herr Bornemann aus, wenn diese Angelegenheit konkreter werde, dann würden alle rechtzeitig informiert werden, um Überlegungen und Absprachen miteinander zu treffen. Die derzeitige Situation im Archiv sei ziemlich unmöglich und es bestehe Handlungsbedarf. Aber man wisse auch, wie schwierig es sei, zu einer absolut abschließenden Lösung zu kommen. Zwar habe man immer mal wieder über die Emsschule gesprochen, doch dieses sei wahrscheinlich gar nicht möglich. Konkrete Vorschläge würden bisher aber auch noch nicht vorliegen, sodass alle dazu aufgefordert seien, sich Gedanken darüber zu machen. Dass die finanziellen Möglichkeiten begrenzt seien, sei auch selbstverständlich.

 

Herr Bongartz stellt heraus, Lösungen habe er hier auch nicht erwartet. Es sei jedoch gut, dass das Thema seitens der FDP-Fraktion angestoßen worden sei. Die CDU-Fraktion habe einmal einen Anstoß unternommen, was das Stadtarchiv angehe. In dem Vertrag, den die Kunst mit der Stadt Emden 1998 geschlossen habe, sei eine Passage enthalten, die laute, dass das Archiv nur für zwei Jahre dem Landesmuseum angeschlossen sei und sich danach automatisch auskoppeln würde. Daher müsste man sich auch schon Gedanken darüber machen, wo das Archiv eigentlich hingehöre. Hier gehe es aber in erster Linie um die Unterkunft und es müsse irgendwann eine wirkliche Lösung herbeigeführt werden.

 

Herr Strelow erinnert daran, dass bereits im letzten Jahr zu diesem Thema ein Vortrag im Ausschuss gewesen sei. Demnach sollte damals ein Auftrag an einen Studenten erteilt werden, der untersuchen sollte, ob die Emsschule möglicherweise Büro- und Sozialräume für das Archiv aufnehmen könnte und ob dort möglicherweise auch Archivarien lagern könnten. Dieses Ergebnis würde bis heute immer noch nicht vorliegen und er warte auf eine Aussage.