TOP Ö 7: Vertrauliche Geburt

Beschluss: Kenntnis genommen.

Frau Obes erklärt, seit Mai 2014 bestehe für schwangere Frauen, die sich in einer schwierigen Lebenslage befinden, ihre Mutterschaft geheim halten möchten und ihr Kind nicht behalten können, die Möglichkeit, im Rahmen einer vertraulichen Geburt legal zu entbinden. Seit 1999 sei es möglich, Frauen eine anonyme Geburt in Kliniken anzubieten. Ziel der anonymen Geburt sei es zu vermeiden, das Neugeborene ausgesetzt, abgetrieben oder getötet werden. Die Neugeborenen sollen somit geschützt sowie die medizinische Versorgung von Mutter und Kind gewährleistet werden. Allerdings verletze die anonyme Geburt das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Herkunft. Im Jahre 2012 sei daher das Gesetz vom Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft getreten. In Emden seien bereits kurz nach der Gesetzgebung erste Abstimmungstreffen mit allen Institutionen, die im Rahmen einer vertraulichen Geburt miteinander kooperieren müssen, durchgeführt worden. Beteiligt seien die Pro Familia, das Klinikum Emden, der Soziale Dienst, die wirtschaftliche Jugendhilfe sowie der Bereich der Frühen Hilfen. Die Regelung und Beratung der vertraulichen Geburt obliege in erster Linie den Schwangerschaftsberatungsstellen.

 

Frau Fontaine stellt anhand einer Power-Point-Präsentation das Ablaufverfahren der vertraulichen Geburt vor. Diese Präsentation ist im Internet unter www.emden.de einsehbar.

 

Frau Voß bedankt sich für die Ausführungen und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Ohling bedankt sich ebenfalls für die Ausführungen. Bei Adoptionen könne die leibliche Mutter innerhalb eines Jahres von ihrer Entscheidung zurücktreten. Er möchte wissen, ob diese Möglichkeit für die leibliche Mutter auch bei der vertraulichen Geburt bestehe.

 

Frau Fontaine bestätigt, dass die Möglichkeit für die leibliche Mutter auch bei der vertraulichen Geburt bestehe, solange es noch keinen rechtskräftigen Adoptionsbeschluss gebe. Das Kindeswohl dürfe selbstverständlich nicht gefährdet sein.

 

Herr Busch meint, die in Sorge geratenen Menschen würden sich häufig nicht verstanden fühlen. Daher sei es äußerst wichtig, den Kontakt herzustellen, um den Frauen die verschiedenen Möglichkeiten zu erläutern. Aus diesem Grund müssten die entsprechenden Kontaktdaten öffentlich gemacht werden, um den betroffenen Personen auch helfen zu können.

 

Herr Fielers möchte wissen, inwieweit die Rechte der Väter bei der vertraulichen Geburt berücksichtigt werden. Des Weiteren fragt er, wie die Anonymität im Krankenhaus gewahrt werde. Beispielsweise wäre es möglich, dass die Frauen während des Krankenhausaufenthaltes Bekannte treffen. Denjenigen gegenüber müssten die Frauen sich rechtfertigen.

 

Frau Fontaine erörtert, dass eine Vaterschaftsanerkennung vorliegen müsse, um die eigenen Rechte durchsetzen zu können. Alle Beteiligten unterliegen der Schweigepflicht. Der Vater müsse daher darlegen können, dass die Frau oder Freundin schwanger geworden sei. Ebenso müsse er den Zeitpunkt der Entbindung kennen. Sie ist ebenfalls der Meinung, dass die Rechte der Väter in diesen Fällen nicht gut gewahrt werden. In den Fällen, die sie bisher betreut habe, hätten die Väter von der Schwangerschaft nicht erfahren. Bisher habe sie drei Beratungen zur vertraulichen Geburt durchgeführt. Diese Frauen hätten jedoch nicht in den Krankenhäusern ihrer Heimat entbunden.

 

Frau E. Meyer fragt, wie viele vertrauliche Geburten Frau Fontaine bisher betreut habe. Des Weiteren bittet sie um Auskunft, ob die Frauen sich trotz der Beratung gegen die vertrauliche Geburt und somit für das Kind entschieden haben.

 

Frau Fontaine gibt an, dass sie bisher drei Beratungen zur vertraulichen Geburt in Emden durchgeführt habe. Eine junge Frau aus Emden habe die Beratung der vertraulichen Geburt in Anspruch genommen, sich aber dennoch für das Kind entschieden. Ein 14-jähriges Mädchen aus dem Landkreis Leer habe sich nach der Beratung für die vertrauliche Geburt entschieden. Die dritte Frau habe sich zwar für die vertrauliche Geburt angemeldet, die Termine im Krankenhaus in Oldenburg jedoch abgesagt und sich ebenfalls für das Kind entschieden.

 

Frau Engelberts weist darauf hin, dass die vertrauliche Geburt ein bundesweites Angebot sei und es somit viele Beratungsstellen zur vertraulichen Geburt gebe. Frauen aus Emden gehen daher vermutlich eher nach Bremen oder Oldenburg, wo die Anonymität gewährleistet bleibe. Das Angebot sensibilisiere die Mütter, sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Dennoch befürworte sie, dass die Möglichkeit der Babyklappe weiterhin angeboten werde.