TOP Ö 7: Feststellung des Jahresabschlusses und Entlastung der Geschäftsführung der Klinikum Emden - Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH für das Geschäftsjahr 2016

Beschluss: einstimmig

Abstimmung: Ja: 7, Nein: 0, Enthaltungen: 1

1.         Die Vertreter der Stadt Emden in der Gesellschafterversammlung der Klinikum Emden - Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH werden beauftragt,

a.         sich dem Bericht der Geschäftsführung anzuschließen und den Abschluss für das Geschäftsjahr 2016 anzunehmen,

b.         der Geschäftsführung für das Geschäftsjahr 2016 Entlastung zu erteilen,

c.         der Einstellung des Jahresfehlbetrages in den Verlustvortrag der Bilanz zuzustimmen.

 

2.         Der Verlust der Gesellschaft in Höhe von 2.056.089,30 € wird durch Haushaltsmittel der Stadt Emden ausgeglichen.


Die Tagesordnungspunkte 7 und 8 werden gemeinsam beraten und einzeln abgestimmt.

 

Herr Eppmann erläutert, für das Jahr 2016 habe es innerhalb des Krankenhauses eine strukturelle Veränderung gegeben. Es sei eine Betriebsaufspaltung zum 01.07.2016 in die Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH und die Gemeinnützige Besitzgesellschaft Klinikum Emden mbH vollzogen worden. Dies habe sich aus dem Konsortialvertrag ergeben, um zwischen den gesamten Krankenhausgesellschaften einen inhaltlichen und rechtlichen Gleichstand zu erreichen. Insofern wolle er im Folgenden die Jahresergebnisse gemeinsam betrachten. Ansonsten seien Vergleiche mit den Vorjahren nicht möglich.

Die Gesellschaften hätten im Geschäftsjahr 2016 einen Jahresfehlbetrag in Höhe von ca. 4,5 Mio. € erzielt. Der Fehlbetrag habe sich im Vergleich zum Jahr 2015 um ca. 300.000 € verringert. Dennoch gebe es erhebliche Herausforderungen. In den Gesellschaften werde ein Gesamtumsatz von rund 74 Mio. € erzielt. Dazu zähle das Krankenhaus, die Tochtergesellschaften, die Servicebereiche sowie die medizinischen Versorgungszentren. Die Besitzgesellschaft weise immer ein ausgeglichenes Ergebnis aus, da die Aufwendungen durch entsprechende Pachten ausgeglichen werden. Er lobt die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, da der Jahresabschluss für 2017 bereits fertig gestellt worden sei. Dieser werde zurzeit geprüft. Der Jahresabschluss werde gegenüber den Vorjahren deutlich eher zur Verfügung stehen. Dies gelte ebenfalls für die Einrichtungen in Aurich und Norden. Die Hochrechnungen für das Jahr 2017 hätten einen Verlust von etwa 3,7 Mio. € ergeben. Dies sei eine deutliche Reduzierung der Jahresfehlbeträge gegenüber dem Jahr 2016. Das Ergebnis für 2017 werde jedoch unterhalb der Hochrechnung liegen. Er bittet um Verständnis, dass er das Ergebnis noch nicht nennen könne. Zunächst würden Informationsveranstaltungen mit den Aufsichtsräten erfolgen.

Der Wirtschaftsplan sei erstmalig unter Beteiligung aller Leistungsträger im Krankenhaus mit den verantwortlichen Mitarbeitern aufgestellt worden, um eine hohe Expertise und eine hohe Verbindlichkeit bei der Aufstellung des Jahresergebnisses zu erzielen. Insofern seien beispielsweise die Chefärzte vollumfänglich in diesen Prozess involviert. Im Jahre 2021 solle das Defizit auf rund 2 Mio. € reduziert werden. Die Tendenz sei äußerst wichtig. Alle Entscheidungen würden selbstverständlich nicht auf Einverständnis stoßen. Dennoch sei insgesamt der Wille in der Belegschaft gegeben, dieses Unternehmen in die richtige Richtung zu entwickeln. Die Chancen liegen im laufenden Jahr in dem Verbund. Es könnten dadurch entsprechende wirtschaftliche Verbesserungen erfolgen. In den Verwaltungsbereichen und Servicebereichen sollen durch das Zusammenführen der drei Krankenhäuser erhebliche Effekte erzielt werden. Für die Öffentlichkeitsarbeit und die Personalverwaltung seien nicht zwingend zwei Abteilungen an den Krankenhäusern notwendig. Durch die Zusammenführung könne die Qualität verbessert und der Personalaufwand reduziert werden. Entsprechende Strukturmaßnahmen seien sinnvoll und notwendig. Bis 2022 würden 500 Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet. Ein Abbau von Personal sei somit nicht problematisch; das größere Problem sei vielmehr, zukünftig Mitarbeiter zu gewinnen. Der Fachkräftemangel sei insbesondere im Krankenhausbereich erheblich und stelle für 2018 in der Ergebnisentwicklung ein Risiko dar. Nur mit leistungsfähigen Mitarbeitern könne das hohe Versorgungs- und Leistungsniveau aufrechterhalten und sichergestellt werden. Der Pflegedirektor Herr Bungenstock bespreche jedes Wochenende mit den Mitarbeitern entsprechende Lösungen. Beispielsweise sei die Geburtshilfe so organisiert worden, dass der Kreissaal tatsächlich durchgängig besetzt sei. Es gebe erhebliche Schwierigkeiten Hebammen zu gewinnen. Dies sei keine Besonderheit von Emden und sei auch nicht der Unsicherheit der zukünftigen Entwicklung geschuldet. Es handle sich hierbei um ein bundesweites Problem. Die erfolgten Maßnahmen sollten zukünftig fortgesetzt werden. Hauptthema sei der Verbund mit den Krankenhäusern in Aurich und Norden. Die Krankenhäuser benötigen ein gutes Image. Junge Ärzte und Fachkräfte bewerben sich nur bei attraktiven Krankenhäusern.

 

Frau Marsal bedankt sich für die Ausführungen und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Mälzer bedankt sich ebenfalls für die Ausführungen. Die Entwicklung sei erfreulich. Es müssten unzweifelhaft Fusionen erfolgen. Eines der größten Risiken in der Region Ostfriesland sei der Fachkräftemangel. Er möchte wissen, wie diesem Fachkräftemangel ohne hohen Mitteleinsatz konsequent begegnet werden könne. Für die Ärzte sei die Attraktivität eines Krankenhauses sowie die zentrale Lage entscheidend.

 

Herr Haase merkt positiv an, dass das Defizit von über 4 Mio. € auf 2 Mio. € gesenkt werden solle. Er bedankt sich beim gesamten Team für die bisherige Arbeit. Trotz aller Irritationen und Diskussionen werde hervorragende Arbeit geleistet. Im Gesundheitssystem bestehe ein mehrfacher Fachkräftemangel. Im Bereich der Pflegekräfte sei dies eklatant. Er bittet um eine Einschätzung für den ostfriesischen Raum. Ebenso bestehe ein enormer Mangel an ärztlichem Personal. Die Besetzung einer Oberarzt- oder Chefarztstelle im einem ostfriesischen Klinikum sei mittlerweile äußerst schwierig. Er fragt, ob ergänzende Maßnahmen hilfreich seien. Beispielsweise sei erwägt worden, über die ärztliche Vereinigung Stipendien auszugeben. Die Ärzte wären anschließend verpflichtet worden, in Ostfriesland zu bleiben.

 

Herr Eppmann verdeutlicht, dass das Thema Fachkräftemangel in diesem Jahr sowohl im Bereich der Ärzte als auch in der Pflege Sorge bereite. Es gebe einschlägige Umfragen im Bereich der Medizin zu den Entscheidungskriterien für das berufliche Umfeld. Das Thema Bezahlung und Jahreseinkommen liege bei dem Ranking hinter Platz 10. Er spricht hier das Thema Work-Life-Balance an. Für die jungen qualifizierten Ärzte sei ein berufliches Umfeld mit einer hohen Verlässlichkeit in Bezug auf die Dienst- und Arbeitszeit viel wichtiger. Ebenso seien umfassende Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten äußerst wichtig. Medizin entwickle sich insbesondere in den letzten Jahren aufgrund der Digitalisierung schlagartig weiter. Die Organisations- und Strukturform sowie eine geeignete Ausstattung im Arbeitsumfeld seien daher ebenfalls wichtig. Diese Kriterien könnten mit einer zusätzlichen Standort-Zulage nicht kompensiert werden. Die Entscheidung für ein Krankenhaus erfolge anhand anderer Kriterien. Die Beliebtheit der verschiedenen Krankenhäuser in Niedersachsen werde stetig geprüft. Im sog. AIP-Ranking rangiere Emden auf den allerersten Plätzen. Die Chefärzte würden ein sehr verbindliches Curriculum in der fachärztlichen Ausbildung bereitstellen. Die Ober- und Chefärzte verpflichten sich verbindlich, die jungen Ärzte operieren zu lassen und sie anzuleiten. Stipendien seien zwar in diesen beruflichen Bereichen ein wichtiger Parameter, aber nicht das ausschlaggebende Entscheidungskriterium.

Da der Fachkräftemangel ebenso den gesamten Fachpflegebereich betreffe, müssen zukünftig selbstverständlich mehr Fachkräfte ausgebildet werden. Diese würden jedoch erst nach der Ausbildung zur Verfügung stehen. Daher sei die Sicherstellung von besseren Arbeitsabläufen und Strukturen notwendig. Bei mehreren Stationen mit jeweils 20 Betten müssten mehr Mitarbeiter vorgehalten werden. Eine Station mit ca. 38 Betten sei wesentlich sinnvoller. In Teilbereichen seien die baulichen Rahmenbedingungen an allen drei Krankenhäusern für einen solchen Umbau jedoch nicht gegeben. Er stimmt der Aussage von Herrn Professor Lauterbach zu, dass es nicht zu wenig Ärzte und Fachmitarbeiter gebe, sondern im Grunde zu viele Krankenhäuser. Durch die Kleinteiligkeit würden viel mehr Fachkräfte benötigt. In großen Zentren wäre die komplette Fachexpertise an einem Ort gebündelt. Der Bürgerentscheid werde selbstverständlich respektiert; dennoch sei das Zukunftskonzept eine enorme Herausforderung.

 

Herr Mälzer stimmt den Ausführungen zu. Im Vordergrund stehe bei den meisten Ärzten ein geregelter Dienst. Dies sei die Abkehr von den früheren Modellen, wo der Chefarzt teilweise die doppelte Zeit im Krankenhaus anwesend war. Es würden seines Erachtens dadurch mehr Ärzte und Fachkräfte benötigt, da der 24-Stunden-Betrieb aufrechterhalten werden müsse. Dementsprechend müsse mehr investiert werden. Der Fachkräftemangel sei ein enormes Problem, welches sich in den nächsten Jahren deutlich verschärfen werde.

 

Dafür:                  7

Dagegen:             0

Enthaltungen:      1