Beschluss: Kenntnis genommen.

Herr Sprengelmeyer gibt an, das Workcamp St. Desir werde seit mittlerweile 52 Jahren durchgeführt. Die Tätigkeiten hätten sich im Laufe der Zeit verändert. Herr Oelrichs als Leiter des Workcamps habe bezüglich der Vorbereitung und Durchführung einen gewissen Freiraum. Das Camp habe für den Rat einen hohen Stellenwert. In diesem Jahr werde eine Delegation des Rates das Camp wieder besuchen. Ebenso würden Vertreter des Volksbundes und der Bundewehr teilnehmen. In diesem Jahr werde Herr Büscher, Stabsfeldwebel des Taktischen Luftwaffengeschwader 71 Richthofen, sowie der neue Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Regierungspräsident a. D. Herr Prof. Dr. Saipa zu Besuch kommen. Jugendliche und junge Erwachsene beteiligen sich ebenfalls weiterhin. Unter dem Motto „Lebendige Erinnerungsarbeit braucht kreative Methoden“ sei das Konzept des Camps weiterentwickelt worden. Die Erinnerungsarbeit der Stadt Emden beginne jährlich am 27.01. und ende im November. Jährlich würden die verschiedensten Veranstaltungen durchgeführt. Diese Erinnerungsarbeit sollte attraktiv und zeitgemäß für die Jugendlichen gestaltet werden. Aus diesem Grund sei mit Herrn Engelbert Sommer Kontakt aufgenommen worden. Herr Sommer habe im Rahmen seiner Tätigkeit als Leiter der Malschule zahlreiche Theaterprojekte und Musikprojekte durchgeführt.

 

Herr Oelrichs lässt anschließend zwei Trailer zum Workcamp St. Desir zeigen. Diese seien während des Jubiläums im Jahr 2016 entstanden. Der erste Trailer zeige die Lichternacht aus dem Jahr 2016. Auf dem deutschen und britischen Soldatenfriedhof seien mit ca. 400 Gästen knapp 2.000 Kerzen aufgestellt worden. Im zweiten Trailer seien Teile vom Festakt und Videomaterial aus den verschiedensten Jahren zusammengestellt worden. Die Veränderung des Camps werde dadurch deutlich. In den früheren Jahren sei auf den Friedhöfen viel körperliche Arbeit erfolgt. Es mussten Kreuze aufgestellt und Umbettungen durchgeführt werden. In den letzten Jahren seien hauptsächlich Grabkreuze gereinigt, Unkraut gejätet und Hecken geschnitten worden. Die Lilienbeete seien mittlerweile entfernt worden. Der Arbeitsauftrag sei insofern, den Friedhof instand zu halten. Vor diesem Hintergrund sei vor einigen Jahren begonnen worden, sich intensiver mit dem Thema Zweiter Weltkrieg auseinanderzusetzen. Trotz des umfangreichen Programms bestehe die Befürchtung, dass die Anzahl der jugendlichen Teilnehmer stetig sinkt. Heutzutage seien viele andere Angebote attraktiver. Aus diesem Grund habe die Verwaltung mit Herrn Sommer Kontakt aufgenommen. Herr Sommer sei im Bereich Theater, Musik und Rhythmik tätig. Es sei mit den Jugendlichen eine Art Szenencollage geplant. Das Programm solle um diese Methode erweitert werden, um das Camp für junge Menschen interessant zu gestalten.

 

Herr Sommer erläutert, die Erinnerungsarbeit stehe im Mittelpunkt bei dem Workcamp in St. Desir. Er werde in diesem Jahr an dem Camp teilnehmen und mit den Jugendlichen eine Szenencollage erarbeiten. Es könnte gegebenenfalls zu einem europäischen Jugendkulturtreff werden. Die Thematik solle über einen Impuls erarbeitet werden. Der Impuls sei ein Lied von Eric Bogles mit dem Titel „The Green Fields of France“, das von Hannes Wader in der Friedensbewegung mit dem Titel „Es ist an der Zeit“ geschrieben worden sei. Dieses Lied erhalten die angemeldeten sowie russischen Jugendlichen im Vorfeld. Hinter jedem Kreuz auf dem Friedhof stehe ein Schicksal. Die Schicksale seien meistens sehr eng verbunden mit dem Alter der gefallenen Soldaten. Insgesamt sollte mit den Jugendlichen viel zu diesem Thema gearbeitet werden, da es heutzutage noch viele Kriege aus verschiedensten Gründen gebe. Als Beispiel nennt er Rohstoffe, Wasser, Naturkatastrophen oder geostrategische Interessen. Die letzte Strophe des Liedes von Hannes Wader laute wie folgt:

 

„Es blieb nur das Kreuz als einzige Spur

Von deinem Leben, doch hör' meinen Schwur

Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein:

Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein

Dann kann es gescheh'n, dass bald niemand mehr lebt

Niemand, der die Milliarden von Toten begräbt

Doch es finden sich immer mehr Menschen bereit

Diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit.“

 

Im Refrain laute es:

 

„Ja, auch dich haben sie damals genauso belogen

So wie sie es mit uns heute immer noch tun

Und du hast ihnen alles gegeben:

Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben.“

 

Anhand dieses Liedes solle mit den Jugendlichen eine Szenencollage erarbeitet werden. Die Jugendlichen könnten dies frei gestalten. Die einzige Vorgabe sei das Lied. Die französischen Jugendlichen aus St. Desir würden ebenso mit einbezogen. Die Gestaltung erfolge mithilfe theaterpädagogischer Methoden aus der darstellenden Kunst. Über die Kreativität würden Requisiten, Bühnenbilder, Kostüme, Masken und Alltagsgegenstände kombiniert. Diese Methode sei seines Erachtens für die Jugendlichen interessant. Es werde viel mit Musik, Tanz, Rhythmik und Spiel gearbeitet. Im Vorfeld sei alle 14 Tage im Jugendzentrum Alte Post ein Treffen geplant, um auf das Workcamp vorzubereiten.

 

Frau Voß bedankt sich für die Ausführungen und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Ouedraogo bedankt sich ebenfalls für die Ausführungen. Der Ansatz von Herrn Sommer, eine Szenencollage zu erarbeiten, sei zu begrüßen. Durch die Art der Zeremonie und der Veranstaltung würden seines Erachtens nicht alle Jugendlichen erreicht. Laut den Ausführungen und den Trailern seien die verstorbenen Soldaten Helden. Die Soldaten seien seines Erachtens jedoch die Ursache des kriegerischen Handelns. Durch den Krieg und das kriegerische Treiben seien viele Menschen verstorben, die nicht auf diesem Friedhof begraben seien. Das Zeigen der Gräber der Soldaten sollte weniger Gewicht haben. Dies könnte falsch interpretiert werden. Es gebe kein Land, dass nicht stark militärisch aufgestellt sein wolle. Aus diesem Grund begrüßt er die von Herrn Sommer vorgestellte Methode. Das entstandene Leiden durch das kriegerische Treiben sollte im Vordergrund stehen und nicht das Heldentum.

 

Frau Meinen bedankt sich für die Ausführungen. Die Weiterentwicklung des Konzeptes sei zu befürworten. Dieses Vorhaben sollte durch die Presse entsprechend mitgeteilt werden, sodass eventuell noch weitere Jugendliche an dem Workcamp Interesse zeigen. Sie wünscht für diesen Schwerpunkt viel Erfolg. Es sei wichtig, dass die Stadt die Vergangenheit und die Erinnerungen mit den Jugendlichen aufarbeitet.

 

Herr Bornemann erörtert, die Versöhnung über die Gräber sei vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit auf den Weg gegeben und erfolge seit über 50 Jahren. Insofern sei dies auf keinen Fall Heldenverehrung. Die jungen Menschen sollen die Bedeutung von Krieg begreifen. Diesbezüglich finden verschiedene Gedenktage in Emden statt. Er verweist auf den Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01., das Workcamp und den Tag der Zerstörung Emdens am 06.09. sowie auf die Reichspogromnacht. Die Schulen seien bisher immer einbezogen worden. Die Jugendlichen nehmen anhand der Grabsteine ganz konkret wahr, dass die Soldaten ebenfalls erst 16 bis 20 Jahre gewesen seien. Dies beeindrucke die Jugendlichen unheimlich. Daher sei die Fortsetzung dieses Workcamps äußerst wichtig. Natürlich sollten im Laufe der Zeit neue Methoden eingeführt werden, um die Jugendlichen weiterhin zu begeistern. Die Szenencollage sei ein hervorragender Ansatz. Die jungen Menschen seien durch Musik und Tanz unheimlich zu begeistern. Er wünscht dem Projekt viel Erfolg. Die Übermittlung der Bedeutung von Krieg sei äußerst wichtig. Durch das Camp könne ein Beitrag in Richtung Nichtvergessen und Sehen dieser Katastrophe geleistet werden. Er bedankt sich bei Herrn Grix für die Durchführung der Frankreich-Fahrt Grandcamp, die zum 40-mal stattfinde. Es werde auch dort hervorragende Arbeit geleistet, um mit den jüngeren Kindern und Jugendlichen das Thema Krieg und Frieden aufzuarbeiten.

 

Herr Busch bedankt sich im Namen der FDP-Fraktion für die geleistete Arbeit in den vergangenen Jahren. Diese Arbeit sei sehr bedeutend. Damit verbunden sei ebenfalls die Aufgabe, an die heutigen Kriege zu erinnern. Die damaligen Geschehnisse seien unvorstellbar, aber dennoch in vielen Gedanken und Leben gegenwärtig. Er wünscht ebenfalls weiterhin viel Erfolg.

 

Herr Grix bedankt sich bei Herrn Sommer für das Vorstellen des Liedes. Er habe mit Erwin Petrikewitz die Arbeit im Sinne des antifaschistischen Arbeitens gegen Krieg und Vergeltung begonnen. Die veränderte Situation führe dazu, dass seines Erachtens überhaupt keine inhaltliche Veränderung nötig sei. Es gehe um die Aufarbeitung der Geschichte sowie um die Befreiung Europas vom Faschismus. Es gebe eine Renaissance im Bereich der politischen Entwicklung im rechtsradikalen Bereich. Daher sei es absolut notwendig, über dieses Lager Impulse zu geben. Dies könne selbstverständlich durch Rollenspiele oder andere Maßnahmen erfolgen. Bei den Jugendlichen löse es durchaus Betroffenheit aus, wenn diese den Friedhof besuchen. Es seien dort über 20.000 Soldaten begraben, die teilweise erst 15 Jahre alt gewesen seien. Die Fortführung dieses Camps sei unheimlich wichtig. Das Wesentliche sei das Erarbeiten der emotionalen Betroffenheit. Es sollte zukunftsorientiert etwas mit den Jugendlichen entwickelt werden. Er wünscht Herrn Sommer mit seinem Projekt viel Erfolg.

 

Herr Sprengelmeyer weist darauf hin, dass die Jugendlichen aus Archangelsk nach dem Camp noch ca. zehn Tage Emden besuchen. Für diese Jugendlichen suche die Verwaltung Gastfamilien. Interessierte können sich bei dem Fachdienst Jugendförderung melden.