Beschluss: Kenntnis genommen.

Herr Sprengelmeyer berichtet anhand einer Power-Point-Präsentation über die Inklusion. Diese Präsentation ist im Internet unter www.emden.de einsehbar.

 

Er bittet die anwesenden Schulleiterinnen und Schulleiter um ihre Erfahrungsberichte.

 

Frau Iris Hencke, Schulleitung Grundschule Früchteburg, schildert, es seien viele Gespräche bezüglich einer Verbesserung des Lebens an den Schulen für die Lehrkräfte und die Kinder geführt worden. Herr Sprengelmeyer habe die größten Probleme bereits angesprochen. Die Kinder im Bereich Lernen oder körperliche Beeinträchtigung bereiten in dem Sinne keine Probleme. Inklusion sei grundsätzlich hervorragend, da die Klassen dadurch eine Bereicherung erleben. Die Problematik liege an der zunehmenden Zahl der emotional-sozial entwicklungsgestörten Kinder. Heutzutage könne dies nicht mehr verhaltensoriginell genannt werden. An der Schule würden einige Kinder mit Migrationshintergrund unterrichtet. Die Zahlen steigen stetig. Die emotionalen Beeinträchtigungen seien eine wahnsinnige Anforderung für die Lehrkräfte. Diese können kaum allen Schülerinnen und Schülern einer Klasse gerecht werden. Es gebe zu wenig Förderschullehrerstunden. Diese würden im kommenden Schuljahr sogar gekürzt. Pro Klasse würden zwei Stunden zur Verfügung stehen. Dies wären insgesamt für die Grundschule Früchteburg 20 Stunden. Die Schule werde vermutlich nur 14 Stunden erhalten. Die Unterstützung für Schüler im Bereich Lernen werde abgebaut. Grundsätzlich müsste eine Doppelbesetzung erfolgen. Sinnvoll wären eine Förderschullehrkraft und eine Lehrkraft in einer Klasse. Diese Rahmenbedingungen seien nicht gegeben, da die Ressourcen fehlen. Die Schulen seien auf die Zusammenarbeit mit der Stadt angewiesen. Sie begrüßt, das FSJler im Ganztag an den Grundschulen eingesetzt werden können. Ebenso sei positiv, dass das Land Schulsozialarbeiter einstelle. Es wäre wünschenswert, wenn in jeder Klasse Klassenbegleiter arbeiten. Wenn ein Kind in einer Klasse randaliere, könne die Lehrkraft sich in dem Moment nicht um alle Kinder kümmern. Daher wäre eine Doppelbesetzung und Klassenbegleiter zum Wohle aller Kinder sinnvoll. Das Elternhaus müsse ebenso einbezogen werden. Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei manchmal äußerst schwierig. Teilweise werde die Schuld bei der Schule gesucht und nicht beim Kind. Die Erziehung werde zunehmend an die Schulen abgegeben. Das Augenmerk der Lehrkräfte gehe immer auf die Kinder in den Klassen, die gerade nicht bereit sind zu lernen. Die anderen Kinder sollten die Chance haben, währenddessen weiter unterrichtet zu werden. Dies führe dazu, dass die Eltern ihre Kinder an einer anderen Schule anmelden wollen. Die Problematik bestehe inzwischen an fast jeder Schule. Die Stadt Emden sollte in die Schulen investieren. Eine Poolbildung wäre ebenso wünschenswert. Nur mit festen Mitarbeitern könne man auf lange Sicht gut und sinnvoll zusammenarbeiten. Multiprofessionelle Teams seien bei Inklusion wichtig.

 

Frau Marion Ocken, Schulleitung Grundschule Larrelt, bestätigt die Ausführungen von Frau Hencke. An der Grundschule Larrelt gebe es ebenso diese Problematiken. Es gebe eine Schulbegleitung, die sich wunderbar in das Team eingearbeitet habe. Diese Maßnahme laufe nun jedoch aus. Die Kraft habe sich sehr professionell in allen Bereichen eingesetzt und sich nicht nur um das Kind gekümmert. Die ganze Klasse habe davon profitiert. Die Schulbegleitung könne gewisse Streitpunkte klären, während der Unterricht für die anderen Kinder fortgesetzt werde. Eine Lehrkraft alleine könne den Unterricht bei Störungen nicht fortsetzen. Der Prozess bis zur Umsetzung einer Maßnahme dauere unglaublich lange. Es wäre wünschenswert, wenn jede Schule eine Unterstützung erhalte.

 

Frau Katrin Miethke, Schulleitung Westerburgschule, stellt fest, die Westerburgschule sei eine sog. Brennpunktschule. Schulbegleitung werde ebenfalls benötigt für die Kinder mit Migrationshintergrund, die geflüchteten Kinder, Kinder mit Traumata und Kinder, die kein deutsch sprechen. Die Schulen übernehmen immer mehr den Erziehungsauftrag aus dem Elternhaus. Der eigentliche Auftrag sei der Unterricht. Der komme in vielen Situationen zu kurz. In den Klassen gebe es die unterschiedlichsten Bedarfe. Eine einzelne Lehrkraft könne mit diesen ganzen Bedarfen alleine überhaupt nicht mehr jedem Kind gerecht werden. Die Lehrkräfte werden jeden Tag damit konfrontiert, den Kindern nicht gerecht zu werden. Es sei eine hohe Frustration bei den Lehrern und schließlich auch bei den Kindern. Teilweise müsse sie sich als Schulleiterin bespucken und treten lassen. Der Kontakt zu den Eltern sei schwierig. In Oldenburg gebe es pauschale Schulbegleitungen in allen ersten und zweiten Klassen. Dadurch könne viel früher angesetzt werden, sodass im Nachgang weniger Anträge für Begleitung gestellt werden. Die dortigen Kollegen arbeiten nicht nur für eine bestimmte Zeit, sondern seien im Team integriert.

 

Herr Thomas Philipson, Schulleitung Grundschule Grüner Weg, äußert, dass bei diesem Thema Lösungen äußerst wichtig seien. Ein Teil der Lösung seien die eingesetzten Mittel für diesen Bereich. Es sollte schon frühzeitig bei den Hebammen und Familienhebammen begonnen werden. Die Hebammen kämen als erste in eine möglicherweise kritische Familie und seien mit den Familien über einen langen Zeitraum sehr vertrauensvoll verbunden. Dies sei seines Erachtens ein wichtiger Schritt. Die Problematiken beginnen schon vor der Schulzeit. Sprache sei ein weiteres wichtiges Thema. Die Eltern mit Migrationshintergrund hätten oftmals ganz andere Erziehungsvorstellungen. Elternbeitrag und Elternmitwirkung sei im deutschen Schulsystem jedoch gesetzlich verankert. Den Eltern dies zu verdeutlichen sei schwierig. Ein Dolmetscherpool wäre daher sinnvoll. Die Schulen benötigen gute Bedingungen. Die Organisation sei unheimlich kompliziert. Es sollten Lösungen und gesetzliche Regelungen erarbeitet werden, die auch in der Praxis funktionieren.

 

Herr Raimund Harms, Schulleitung Grund- und Oberschule Wybelsum, stimmt den Schilderungen zu. Die einzeln aufgeführten Bedarfe laufen zum Teil zusammen. Ein Kind mit Sprachschwierigkeiten könne auch körperlich und motorisch eingeschränkt sowie emotional-sozial in der Entwicklung eingeschränkt sein. In der Sekundarstufe I setze zudem meist noch die Pubertät ein. Um den Problematiken frühzeitig zu begegnen, sollten die Fachkräfte von Anfang an vor Ort sein, um sofort eingreifen zu können. Desto schneller könnten die Problematiken geregelt werden. An der Grund- und Oberschule Wybelsum gebe es ein Projekt von der Stadt Emden, das sehr gut laufe. Der Nachteil an dem Projekt sei, dass die Person immer nur für ein Jahr beschäftigt werde. Die Stelle sollte seines Erachtens unbedingt verstetigt werden. Die Bedarfe werden in den nächsten Jahren nicht abnehmen. Diese Begleitung könne frühzeitig eingreifen.

 

Frau Meinen bittet Herrn Sprengelmeyer um eine Liste, wie viele Personen über Jugendhilfemaßnahmen und Projekte in den Schulen arbeiten.

 

Herr Sprengelmeyer gibt an, es gebe 50 Klassenbegleitungen, die über SGB VIII und SGB XII bezahlt würden. Insgesamt würden in diesem Jahr Mittel in Höhe von 613.000 € zur Verfügung stehen. Diese Mittel reichen jedoch nicht aus. Es würden in diesem Jahr mindestens 930.000 € benötigt, sowie im nächsten Jahr 1,1 Mio. €. Damit seien nur die notwendigsten Bedarfe gedeckt. Die Schaffung eines Personalpools für die Schulen sei sinnvoll. Im weiterführenden Bereich mehren sich ebenso die Fälle. Das Personal würde über freie Träger beschäftigt.

 

Anschließend setzt er die Präsentation weiter fort.

 

Frau Voß bedankt sich für den Vortrag und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Ouedraogo bedankt sich für die Schilderungen. Es sei fraglich, ob dieser Entwicklung entgegengewirkt werden könne. Die von Herrn Sprengelmeyer aufgezeigten Möglichkeiten seien seines Erachtens richtig. Die Gesellschaft müsse das Problem gemeinsam bekämpfen. Er hofft als Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Emden, dass die Zuwanderung in Zukunft reguliert und die Gesellschaft gemeinsam der Integrationsproblematik entgegenwirken könne.

 

Herr Sprengelmeyer weist darauf hin, dass die Mitarbeiter in den Schulen und Kindertagesstätten konzeptionell und personell unterstützt werden. Die Traumatisierung finde jedoch meist zuhause statt und nicht in den Schulen oder Kindertagesstätten. Daher sollte dort verstärkt angesetzt werden. Ein gesellschaftliches Verständnis von Gemeinschaft und Gruppen sei meist nicht vorhanden. Die Mitarbeiter werden konfrontiert mit Traumatisierung, Gewalt- und Missbraucherfahrung. Die auffälligen Kinder seien nicht vorrangig Kinder aus Integrationsfamilien oder Familien mit Migrationshintergrund.

 

Herr Ohling schildert, dass zu den Elternabenden an den Grundschulen teilweise nicht mal die Hälfte der Eltern anwesend sei. Die Erreichbarkeit und Mitarbeit der Eltern sei äußerst schwierig. Dies sei eine große Herausforderung.

 

Herr Sprengelmeyer bedankt sich bei Frau Szag und Herrn Schurig von der Fachstelle Inklusion für die Arbeit.