Beschluss: Kenntnis genommen.

Frau L. Meyer begrüßt die Vertreter des Theartic e. V. Frau Ulrike Heymann, Frau Inge Rhoden-Wohlers und Herrn Remmer Edzards, und bittet um ihre Ausführungen.

 

Nach einer kurzen persönlichen Vorstellung aller drei Vertreter des Theartic e. V. erläutert Frau Heymann die Arbeit des Vereins und begründet den an Rat und Verwaltung gestellten Antrag. Eine Zusammenfassung dieser Erläuterung ist dem Protokoll als Anlage beigefügt.

 

Frau L. Meyer bedankt sich und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Kronshagen hält den Verein Theartic für eine wichtige und gute Sache, dessen Arbeit er sehr schätze. Doch seiner Meinung nach würde ein Problem darin liegen, dass eine Stelle für gut ein Jahr doppelt besetzt werden solle. Ein weiteres Problem sei, dass dem Rat der Stadt Emden nur beschränkte Gelder zur Verfügung stünden. Gerade im freiwilligen Kulturbereich müsse gespart werde. Auch sei es heutzutage nicht mehr so leicht, Spenden einzusammeln. Damit werde seiner Meinung nach die künftige Stelleninhaberin/der künftige Stelleninhaber sicherlich Schwierigkeiten bekommen.

 

Frau Heymann bemerkt, der Verein schreibe seit 16 Jahren schwarze Zahlen und habe Rücklagen gebildet. Seit vielen Jahren habe man ein Spendenaufkommen von 10.000 €. Dieses sei eine realistisch kalkulierte Zahl.

 

Frau Risius führt aus, auch sie schätze die Arbeit von Theartic sehr. Doch würde sie seitens der CDU-Fraktion eine Ausweitung der Zuschüsse nicht sehen. Sie stellt heraus, in ihren Ausführungen sei Frau Heymann jedoch nicht auf die Einnahmen der Aufführungen eingegangen. Abschließend fasst sie zusammen, Theartic sei ein Verein, der sich damals mit vielen wirklich engagierten Mitgliedern zusammengefunden habe. Dieser Verein bekomme von der Stadt Emden einen Zuschuss. Jetzt wieder ein Fass aufzumachen und eine neue Stelle zu beantragen, halte sie in der heutigen Zeit für schwierig.

 

Frau Heymann entgegnet, bei all der Arbeit, die man seit 16 Jahren mache, halte sie es persönlich nicht für unverschämt, darauf hinzuweisen, dass Theartic nur über eine einzige halbe Stelle verfüge. Sie habe sich darüber nie beklagt. Aber man könne nicht davon ausgehen, dass eine geeignete Person gefunden werde, die eine halbe Stelle bezahlt bekomme und den größten Teil der Zeit unentgeltlich arbeite. Es gehe darum, dass die Arbeit von Theartic fortgesetzt werde.

 

Frau Eilers betont, sie schätze die Arbeit von Frau Heymann ganz besonders und sei davon überzeugt, dass es ohne Frau Heymann Theartic nicht geben und sich auch nur schwer ohne sie in der Form fortsetzen würde. Eine Person, die dann die Arbeit übernehmen könnte, werde sich sicherlich nicht so leicht finden lassen. Sie habe sich vor einiger Zeit diesbezüglich mit Herrn Edzards unterhalten und nach Lösungen gesucht. Wenn man Theartic für Emden und für die Region weiter erhalten und den Inklusionsgedanken so leben wolle, dann müsse man sich dazu etwas einfallen lassen.

 

Eine klare Zusage könne sie nicht geben, da man auch in der Fraktion im Rahmen der Haushaltsberatungen diskutieren müsse. Im Kulturbereich würde es einen Sparzwang geben, sodass man nicht an bei einer Position etwas wegnehmen könne, um es Theartic geben zu können.

 

Weiter führt Frau Eilers aus, sie habe seinerzeit in dem Gespräch auch angerecht, Gespräche mit OBW und Agilio hinsichtlich einer Beteiligung an den Projekten zu führen. Sie fragt an, was dabei herausgekommen sei. Ferner bittet Frau Eilers um Mitteilung, wie weit sich die Musikschule an Theartic finanziell beteilige und wie hoch die Miete der Räumlichkeiten sei. Man müsste gemeinsam darüber nachdenken, wie man Theartic Spielstätten zur Verfügung stellen könnte.

 

Frau Rhoden-Wohlert entgegnet, es habe durchaus Gespräche mit OBW und Agilio gegeben. Diese seien jedoch an unterschiedlichen Einstellungen gescheitert.

 

Frau Heymann ergänzt, hinzu käme noch, dass man mit Kultur kein Geld verdienen könne und somit ein Zuschussbetrieb sei. Weder OBW noch Agilio, die in erster Linie nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten würden, hätten Interesse dran, sich Theartic unter das Dach zu holen. Hinzu käme auch noch, dass bei Fördermitteln und Spenden eingetragene gemeinnützige Vereine wie Theartic sehr viel mehr Möglichkeiten als z. B. eine Institution wie eine Behindertenwerkstatt hätten. Außerdem hätten diese Einrichtungen grundsätzlich ein anderes Verständnis von Inklusion.

 

Bezüglich der Einnahmen aus den Produktionen bemerkt Frau Heymann, hierbei handele es sich um den Eigenanteil, der benötigt werde, um Projektfördermittel zu erhalten.

 

Frau Eilers hält die Regelung der Mieten für einen wesentlichen Punkt. Weiter führt sie aus, im Bund werde gerade über die neue Inklusionsrichtlinie diskutiert. Auch werde es neue Maßstäbe für die Förderung geben.

 

Wenn OBW und Theartic ein grundsätzlich unterschiedliches Verständnis von Inklusion hätten, müsste dieses einmal beleuchtet werden. Es müsste geklärt werden, welches Verständnis die Politik in Emden habe wolle. Sie fragt an, ob OBW bei Theartic Mitglied sei und ob es Hilfe bezüglich der Räumlichkeiten oder der Beförderungsmöglichkeiten geben würde.

 

Frau Rhoden-Wohlert antwortet, OBW sei kein Mitglied bei Theartic und würde insofern Unterstützung leisten, dass die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Veranstaltungen und Proben fahren würden. OBW sei letztendlich ein Industrieunternehmen und habe somit ein anderes Ziel als Theartic, welches sich als Kulturinstitution verstehe.

 

Frau Heymann bemerkt, Theartic nutze im Moment die Räumlichkeiten der Musischen Akademie im Rahmen eines Kooperationsvertrages und zahle lediglich 100 € Miete für einen Büroraum.

 

Frau Pohlmann erklärt, die SPD-Fraktion schließe sich der Wertschätzung an, die Theartic entgegengebracht werde. Mit der Finanzierung tue man sich aber sehr schwer. Man müsse zunächst einmal den Haushalt beraten, bevor hier eine Zusage gemacht werden könne.

 

Herr Edzards führt aus, er setze sich persönlich für Theartic ein, weil dieses eine wunderbare Symbiose von Kultur, Inklusion und Integration bieten würde. Er wisse auch, dass der Kämmerer aufgrund der schwierigen Haushaltssituation gezwungen sei, die freiwilligen Leistungen zu reduzieren. Doch sei ihm diese Sache so wichtig, sodass er sich bereit erklärt habe, diesbezüglich mit allen Fraktionsvorsitzenden zu sprechen. Diese Gespräche hätten ihm Mut gemacht, da man bereit sei, nach einer Lücke für diese 15.000 € zu suchen.

 

Frau Pohlmann stellt heraus, wenn Herr Jahnke den Fraktionen eine Lücke aufzeige, sei man gerne bereit, dieses zu machen. Nur könne man anderen nichts wegnehmen, um es Theartic zu geben.

 

Herr Böckmann schließt sich diesen Worten an. Es müssten jedoch zunächst die Haushaltsberatungen abgewartet werden. Doch bezüglich der Doppelbesetzung der Stelle würde er ein Problem sehen.

 

Frau Heymann macht deutlich, es gehe nicht um eine Doppelbesetzung. Es geht gehe darum, dass sie jemand brauche, den sie einarbeiten könne. Wenn man solange warte, bis sie nicht mehr da sei, breche Theartic zusammen und werde finanziell vor die Wand gefahren. Auch sie habe mühsam lernen müssen, wie man z. B. einen Förderantrag stelle.

 

Herr Böckmann betont, seiner Fraktion sei es durchaus bewusst, dass alles direkt mit dem Engagement von Frau Heymann zu tun habe. Man könne nur hoffen, dass man eine geeignete Person finde werde.

 

Herr Jahnke erklärt, er möchte als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der OBW klarstellen, dass die OBW kein Industrieunternehmen sei. Ein Industrieunternehmen sei auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Die OBW sei eine gemeinnützige GmbH und habe die Verpflichtung, positive Jahresergebnisse in die Arbeit für Menschen mit Einschränkungen zu reinvestieren. Daher würde es einen großen Unterschied zu einem Industrieunternehmen geben.

 

Er begrüßt den Vorschlag von Frau Eilers, über die unterschiedlichen Auffassungen nachzudenken. Er werde persönlich bei Herrn Zirpins nachfragen, ob es Ansatzpunkte für eine Zusammenarbeit geben würde.

 

Herr Jahnke betont, seiner Ansicht nach würde dem Theartic e. V. seitens des Rates und der Verwaltung eine hohe Wertschätzung gegeben. In vielen Fällen seien der Oberbürgermeister oder eine Bürgermeisterin der Stadt Emden bei der Eröffnung von Theaterstücken dabei. Das zeige, dass man dem Verein auch sehr verbunden sei. In den letzten Jahren seien 20.000 € für den Verein in den Haushalt eingestellt worden. Dieser Verein müsse sich seiner Meinung nach hauptsächlich aus Ehrenamtlichkeit begründen, so wie alle anderen Vereine in Emden auch. Er habe nicht nur Schwierigkeiten, was die Haushaltssituation angehe, hier Zusagen zu machen. Darüber hinaus habe er einen Kontext zu den anderen Vereinen in der Stadt Emden. Das werde den Fraktionen im Rat auch an der einen oder anderen Stelle so ergehen. Zur Wahrheit gehöre auch, dass die Stadt Emden nicht nur 20.000 € an Zuschuss gebe, sondern den Großteil der Kosten für die Veranstaltungen und Proben im Neuen Theater für Theartic übernehme. Dieses verleihe letztendlich auch dem Ausdruck, dass eine herausragende Arbeit für Emden gemacht werde.

 

Ihm sei aus vielen anderen Einrichtungen bekannt, dass diese an den Landtag herangehen würden und um eine institutionelle Förderung bitten. Aber es sei reichlich unwahrscheinlich, dass eine solche Förderung gewährt werde. Es bestehe lediglich die Chance, neue Projekte aufzurufen und komplizierte Anträge zu stellen. Aber manchmal stünden Aufwand des Projektantrages und der tatsächliche Ertrag in keinem Verhältnis. Auch sei es nicht einfach, eine Lücke im Haushalt der Stadt Emden zu finden, da es bei einem negativen Haushalt keine Lücke geben würde. Wenn freiwillige Leistungen eingespart werden könnten, müsste das radikal umgesetzt werden.

 

Weiter führt er aus, städtischerseits habe man auch bereits versucht, mit dem Jobcenter eine Lösung für Theartic zu finden. Es hätte sich eine Möglichkeit im Verwaltungsbereich aufgetan. Doch das sei nicht das gewesen, was Frau Heymann eigentlich hätte haben wollen und gesucht habe.

 

Abschließend stellt Herr Jahnke heraus, der Verein hätte aufgrund seiner guten Arbeit einen Anspruch darauf, dass er ihm ehrlich sage, wie die Situation aussehen würde. Auch würde es keine Garantie geben, dass es der neu einzustellenden Person gelingen werde, Fördermittel zu akquirieren oder in 2020 oder später sogar der Zuschuss zurückgeführt werden müsse.

 

Frau Heymann bedankt sich bei Herrn Jahnke. Sie könne seine Position verstehen. Ihrer Ansicht nach kenne er den Verein gut genug, um zu wissen, dass dieser unglaublich solide arbeite und mit dem gewährten Zuschuss auskomme.

 

Herr Jahnke bemerkt, ihm sei bekannt, dass Frau Heymann ihre Funktion größtenteils mit Ehrenamtlichkeit ausfülle und dazu beitrage, dass das ganze Konstrukt mit dem bisherigen Zuschuss von 20.000 € auskomme. 

 

Frau Heymann bedankt sich abschließend für die Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, im Ausschuss für Kultur und Erwachsenenbildung vortragen zu dürfen. Sie bittet darum, den Antrag von Theartic zu unterstützen, damit der Verein weitermachen könne.

 

Frau L. Meyer bedankt sich bei Frau Heymann, Frau Rhoden-Wohlert und Herrn Edzards und wünscht weiterhin alles Gute.