Beschluss: Kenntnis genommen.

Herr Sprengelmeyer erörtert, das Thema sexuelle Grenzverletzung von Kindern und Jugendlichen sei bereits vor 1 ½ Jahren im Jugendhilfeausschuss behandelt sowie das Konzept vorgestellt worden. In dem Arbeitskreis seien alle Organisationen vertreten, die in diesem Bereich tätig seien. Der Arbeitskreis habe sich für die Einrichtung einer Anlaufstelle ausgesprochen. Zu Beginn würden die Kosten 18.000 € pro Jahr betragen. Herr Kleen, von der Initiative für Intensivpädagogik gGmbH, habe verschiedenste Fördermöglichkeiten überprüft.

 

Herr Kleen erläutert, er sei Projektleiter der Jungen & Männer Beratung Ostfriesland. Aus Kostengründen sei das Projekt an die Jungen & Männer Beratung angegliedert worden, da das Personal im Rahmen von Täterarbeit erfahren sei und bereits eine Zusatzausbildung zum Gewaltberater habe. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter habe er zunächst das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie angeschrieben und das Konzept vorgestellt. Das Konzept sei zunächst begrüßt worden. Dennoch war keine Finanzierung möglich. Ebenso sei das Konzept von dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gelobt worden. Aber auch dort war eine Finanzierung nicht möglich. Beide Stellen hätten auf den FreiwilligenServer Niedersachsen verwiesen. Man habe sich mit verschiedenen Stiftungen und Vereinigungen auseinandergesetzt. Laut Auskunft würde immer eine gute Möglichkeit bei der Aktion Mensch bestehen, da diese auch Projekte in Bezug auf Täterarbeit fördern. Das Ausfüllen des Antrags sei begonnen worden. Dieser sei äußerst umfangreich. Die Antragstellung war problematisch, da detaillierte Informationen zu den jeweils beteiligten Institutionen bekannt gegeben werden müssen. Es handele sich in diesem Fall um einen freien Träger der Stadt Emden sowie dem Bündnis. Die formellen Punkte konnten in der Form gar nicht eingetragen werden. Beim Ausfüllen des Online-Formulars gebe es noch keinen direkten Ansprechpartner. Einen Ansprechpartner erhalte man erst, wenn der Antrag weggeschickt werde. Ebenso müsse während der Antragstellung eine tragfähige Finanzierung vorgestellt werden, wenn die Pilotphase ende. Dies war äußerst schwierig. Es habe diesbezüglich mehrere Treffen mit dem Bündnis gegeben. Er habe letztlich mit einer Person von der Aktion Mensch sprechen können. Es wurde mitgeteilt, dass der Antrag keinen Erfolg haben werde. Insofern gebe es bisher keine Projektförderung. Dies sei äußerst bedauerlich, da bereits seit 2016 an dem Projekt gearbeitet werde.

 

Frau Schneider ergänzt aus Sicht der Beratungsstelle für Opfer, dass die Täter- und Opferarbeit strikt getrennt werden müsse. Laut statistischer Auflistung werde ein Drittel der sexualisiert grenzverletzenden Verhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen begangen. Bei der Arbeit sei es wichtig, dass es eine fachliche Opfer- und Täterbetreuung gebe. Jugendliche Täter brauchen Hilfe und Unterstützung, um das Verhalten zu korrigieren und nicht nur zu sanktionieren. Es sei eine äußerst wichtige Arbeit. Es wäre bedauerlich, wenn das Projekt an den finanziellen Mitteln scheitert.

 

Herr Kleen fügt hinzu, das Projekt solle im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit an Schulen und Kindergärten vorgestellt werden. In seiner Funktion als Tätertherapeut habe er eher mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die bereits zum Täter geworden seien. Hauptziel der Beratungsstelle sei es, präventiv zu arbeiten und die Taten damit zu verhindern.

 

Herr Sprengelmeyer teilt mit, Ziel sei die Einführung der Beratungsstelle spätestens nach der Sommerpause. Eine Finanzierung werde sicherlich noch gefunden. Laut damaligem Schreiben des Polizeikommissariats Emden schlossen sich die anwesenden Vertreter dem ausführlichen Vortrag von Frau Rita Schneider und Herrn Onno Santjer an, dass eine derartige Beratungsstelle in Emden fehle und aus polizeilicher Sicht mehr als wünschenswert sei. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Emden seien im Jahr 2015 insgesamt 88 Sexualdelikte von Tatverdächtigen im Alter bis 25 Jahren registriert worden. 2016 dürften die Zahlen leicht angestiegen sein.

Vor diesem Hintergrund sei er gewillt, eine derartige Anlaufstelle einzurichten sowie mit Unterstützung der Ratsfraktionen eine Finanzierung zu ermöglichen.

 

Herr Busch gibt an, die FDP-Fraktion stehe dem Projekt grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Prävention sei äußerst wichtig. Täter und Opfer müsse geholfen werden. Die jungen Täter dürfen nicht zu dauerhaften Straftätern werden. Diese Präventionsarbeit sei sicherlich sinnvoll und vernünftig. Über die Schulen sollten die Kinder allgemein mit diesem Thema mehr sensibilisiert werden, sodass diese die Grenzverletzung aufzeigen und nicht voller Scharm zurücktreten. Die Kinder müssen gestärkt werden.