TOP Ö 7: Familienorientierte Soziale Gruppenarbeit (FSG) im Rahmen einer inklusiven Ganztagsschule der IFI

Beschluss: Kenntnis genommen.

Herr Frein informiert anhand der Vorlage 17/1054 kurz über die familienorientierte Soziale Gruppenarbeit im Rahmen einer inklusiven Ganztagsschule.

 

Anschließend stellen Frau C. Eilers und Herr Woest, Initiative für Intensivpädagogik (IFI), das Konzept der sozialen Gruppenarbeit vor.

 

Herr Ohling bedankt sich für die Ausführungen und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Sprengelmeyer weist darauf hin, dass es sich um ein neues Instrument der Jugendhilfe handele. Es sei also keine freiwillige Leistung. Es werde zunächst ein Bedarf angemeldet und eine Hilfeplanung durchgeführt. Das Jugendamt stelle den Bedarf fest. Es sei ein hervorragendes Beispiel, wie die Bereiche Jugendhilfe und Schule in Emden zusammenwirken.

 

Herr Haase stellt fest, dass zunächst sechs Kinder der Westerburgschule das neue Projekt in Anspruch nehmen können. Dies sei allerdings der objektive Bedarf. Er fragt, wie der Bedarf an den anderen Schulen sei. Er könne sich durchaus vorstellen, dass der Bedarf dort ebenfalls hoch sei. Bei Erfolg sollte das Projekt auch an anderen Schulstandorten umgesetzt werden.

 

Herr Sprengelmeyer erklärt, es handele sich zunächst um ein gemeinsam entwickeltes Modellprojekt. Nach den Sommerferien solle die Umsetzung erfolgen. Es könne auch mehrere Gruppen an einer Schule geben. In den Schulen gebe es bereits verschiedenste Instrumentarien. Die IFI sei seit fünf Jahren im Rahmen schulbezogener inklusiver Arbeit an der Westerburgschule tätig. Es gebe bereits andere Projekte inklusiver Form an anderen Schulstandorten. Dies sei ein weiteres Instrument.

 

Frau Fekken bemerkt, die Sinnhaftigkeit dieses Projektes erschließe sich ihr durchaus. Es werde jedoch eine Art Gruppe gebildet. Dies sei wieder eine Form von Ausgrenzung. Die Kinder sollen anschließend einzeln an den anderen Angeboten der Ganztagsschule teilnehmen. Es sei dennoch zunächst eine Sonderstellung. Dies widerspreche der Inklusion und könne zu Konflikten führen.

 

Herr Woest gibt Frau Fekken grundsätzlich Recht. Zunächst würden die Kinder zusammengeführt. Grundsätzlich müsste bei einer inklusiven Arbeit jedes Kind mit entsprechendem Bedarf eine Person an die Seite gestellt bekommen. Dies sei aber auch eine Sonderbehandlung. Die Kinder, die an der Schule inklusiv unterrichtet werden, merken dies in jedem Fall.

 

Frau C. Eilers ergänzt, die Kinder seien per se schon in einer Sonderstellung, weil sie auffällig seien. Die Kinder werden teilweise nach Hause geschickt oder suspendiert. Ziel sei, die Durchlässigkeit zu den anderen Gruppen zu schaffen.

 

Herr Ohling fragt, ob die Kinder bei Teilnahme an der Gruppe bei Auffälligkeiten trotzdem Sanktionen von der Schule erhalten können.

 

Herr Woest erläutert, natürlich können die Kinder weiterhin Sanktionen erhalten. Der Schulvormittag und das Gruppenangebot seien zu trennen. Es müsse mit der Schulleiterin noch besprochen werden, ob vom Schulvormittag suspendierte Kinder trotzdem an der Gruppe teilnehmen dürfen.

 

Herr Frein fügt hinzu, es gebe eine maximale Ausgrenzung, wenn die Projekte nicht durchgeführt würden, da dann die Teilhabe am Nachmittag nicht gegeben sei. Ziel sei der Übergang in die „normalen Gruppen“. Die Kinder bleiben in ihrem sozialen Umfeld. Es sei daher keine maximale Ausgrenzung. Bei diesem Angebot werde angesetzt, sobald erste Auffälligkeiten auftreten. Die Gruppengröße bedeute nicht, dass in einem Schuljahr nur insgesamt sechs Kinder betreut werden. Es könne jeder Zeit von der Gruppe wieder in das Nachmittagsangebot gewechselt werden, sodass ein neues Kind das Angebot wahrnehmen könne. Es erfolge immer eine individuelle Prüfung durch das Jugendamt. Der Bedarf werde durch die Mitarbeiter festgestellt.

 

Frau Engelberts finde das Angebot hervorragend. Es sei sinnvoll, zunächst in einem Stadtteil zu beginnen. Es gebe einen enormen Bedarf in der Stadt Emden. Es sei ihres Erachtens wichtig, dass die Kinder in einer kleinen Intensivgruppe betreut werden, damit diese schnellstmöglich in den normalen Ganztagsunterricht integriert werden können. Aus ihrer Sicht sei dies eine optimale Form der Entwicklungsbegleitung und eine tolle Unterstützung für die Grundschule. Es sollte grundsätzlich vermieden werden, die Kinder zu sanktionieren und vom Unterricht auszuschließen. Die Zusammenarbeit zwischen Schule, Jugendhilfe und Träger sei zu begrüßen. Möglicherweise könnte das Angebot noch in weiteren Stadtteilen installiert werden.

 

Herr Sprengelmeyer schildert, das eine Vereinbarung abgeschlossen werde. In der Vereinbarung werde auch auf die Schulverweise eingegangen.

Die Verwaltung sei derzeit in Vorbereitung der Zusammenstellung der Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung. Diese sei noch nicht abgeschlossen. Im letzten Jahr habe das Gesundheitsamt ca. 103 förderbedürftige Kinder festgestellt. Allein an den drei Grundschulen Grüner Weg, Cirksena und Westerburgschule sei dieser Wert bereits erreicht. Es gebe erhöhte Bedarfe im Bereich Sprache. Die Tendenz verdeutliche, dass die Bedarfe steigen. Die konkreten Zahlen werden dem Ausschuss in jedem Fall vorgestellt.

 

Herr Müller-Goldenstedt findet das Angebot ebenfalls äußerst interessant. Er möchte wissen, inwieweit die Teilnahme der Kinder und Eltern an den Gruppenangeboten verpflichtend sei. Weiterhin möchte er wissen, ob eine Verzahnung zu anderen Jugendhilfemaßnahmen bestehe.

 

Herr Sprengelmeyer erörtert, dass das Angebot eine Hilfe zur Erziehung sei. Der Bedarf werde festgestellt und die Eltern müssen die Hilfe beantragen. Es werde eine Hilfeplanung durchgeführt. In dieser Hilfeplanung seien die Eltern, die Kinder, die Schule und der Träger beteiligt. Es sei insofern kein freiwilliges Gruppenangebot.

 

Herr Frein ergänzt, dass die Planung gemeinsam erfolge. Die Maßnahme werde beendet, wenn diese erfolgreich war. Sie könne aber auch beendet werden, wenn die Mitwirkung mangelhaft sei. Die Steuerung erfolge über das Jugendamt, sodass wieder neue Kinder und Eltern aufgenommen werden können.

 

Herr Sprengelmeyer fügt hinzu, dass insbesondere der familienorientierte Ansatz hervorgehoben werden solle, um eine möglichst große Wirkung zu erzielen. Die pädagogische Wirkung der Maßnahmen und Angebote wäre nicht optimal, wenn die Eltern nicht mitwirken. Die Eltern verpflichten sich daher zur Mitarbeit.

 

Frau Meinen meint, es sei ein neuer Blickpunkt, direkt in der Grundschule anzusetzen. Ihres Erachtens würden die Kinder in der Schule mehr erreicht als in den Familien. In den Schulen könne zusammen mit den Betreuern etwas erarbeitet werden. Es sei positiv, dass die Schule Unterstützung von der Jugendhilfe erhalte. Sie bedankt sich für die Erarbeitung des Konzepts.

 

Frau C. Eilers bemerkt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter natürlich mit anderen Institutionen eng zusammenarbeiten. Mit den Familienhilfen werde die Situation immer besprochen.

 

Frau Engelberts befürwortet, dass im Bereich der Kindertagesstätten ebenfalls zusätzliche Integrationsplätze geschaffen worden seien. Alle Pädagoginnen der Emder Kindertagesstätten arbeiten ihres Erachtens inklusiv. Die durch das Kindertagesstättengesetz vorgegebenen Rahmenbedingungen würden es jedoch nicht ermöglichen, hundertprozentig inklusiv zu arbeiten. Es gebe viele Kinder mit ganz besonderem Unterstützungsbedarf. Dieses Thema werde den Jugendhilfeausschuss in den nächsten Jahren stark beschäftigen. Es müssen daher frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden. Die Kindertagesstätten benötigen ebenso Unterstützung.