Herr Böckmann erläutert, die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen habe sich mit den Ergebnissen für die Stadt Emden aus der Studie des Berlin-Instituts „Die demografische Lage der Nation. Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen sind“ auseinandergesetzt. Es sei ein desaströses Ergebnis für Emden. Mit der Note 5,3 habe Emden mit Abstand das schlechteste Ergebnis in Niedersachsen erreicht. Die sei äußerst bedenklich. Bei 597 Schulabgängern 2017 bedeute dies eine Quote von 8,7 % Schüler, die ohne Abschluss die Schule verlassen haben. Bei den ganzen Anstrengungen, die unternommen worden seien, stelle sich die Frage, wo Verbesserungsbedarf bestehe. Eventuell müssten neue Wege bestritten werden. Es sei in die Schulen sehr viel investiert worden. Möglicherweise gebe es neuere und effizientere Konzepte in anderen Regionen.

 

Herr Busch meint, der Beratungsgegenstand „Schulabschlussquoten“ sei falsch dargelegt. Dies beziehe sich nur auf Statistik. Die FDP-Fraktion möchte wissen, wie viele Schulabgänger ohne Schulabschluss die einzelnen Schulen verlassen haben. Die Verwaltung habe diese Zahlen zugesichert. In den letzten Jahren werde im Rat viel über Integration, Inklusion und Frühförderung gesprochen. Dennoch gelinge es vielen Schülerinnen und Schülern nicht, einen Schulabschluss zu erlangen. Diesen Schülerinnen und Schülern müssen Hilfestellungen angeboten werden. Natürlich gebe es auch Schulverweigerer, die keinen Rückhalt und keine Förderung aus der Familie erhalten. Die Schülerinnen und Schüler müssen motiviert werden, dass sie auch mit einem schlechten Hauptschulabschluss eine Ausbildung beginnen können. Innerhalb der Ausbildung könnten sie für Weiterbildungen befähigt werden. Es sei für viele junge Menschen ein Rückschlag, wenn diese keinen Abschluss erzielen. Er bittet um die Zahlen der einzelnen Schulen, um die Gründe erforschen zu können.

 

Herr Böckmann wolle nicht, dass ein Schulranking dargestellt werde. Es gehe prinzipiell darum, welche Hilfestellungen die jungen Leute benötigen. Emden habe im Landesdurchschnitt einen äußerst schlechten Wert, sodass seines Erachtens irgendetwas nicht richtig laufe. Die Quote von 8,7 % sei erschreckend. Die Konzepte sollten daher nochmal überarbeitet werden. Es werde schon eine Menge investiert. Die BBS II bemühe sich, den jungen Menschen durch ein Berufsvorbereitungsjahr und durch andere Schulformen den Hauptschulabschluss noch nahezubringen. Oftmals gelinge dies auch. Die Frustration der jungen Leute im Bereich der allgemeinbildenden Schulen sei erschreckend.

 

Herr Buß stellt anhand der Vorlage 17/1162 sowie einer Power-Point-Präsentation die Schulabschlussquoten in Emden vor. Diese Präsentation ist im Internet unter www.emden.de einsehbar.

 

Frau Kruse bedankt sich für die Ausführungen und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Engelberts verweist auf die in der Vorlage dargestellten Gesamtzahlen. Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler reduziere sich im Schuljahr 2017/18 schlagartig um 147. Seines Erachtens seien die Abiturienten der berufsbildenden Gymnasien nicht berücksichtigt worden. Die 144 Schulabschlüsse mit Hochschulreife seien die Abiturjahrgänge des Johannes-Althusius-Gymnasiums sowie des Max-Windmüller-Gymnasiums. 111 Schülerinnen und Schüler hätten ihren Abschluss auf den Berufsgymnasien gemacht. Diese Anzahl sei in der Statistik scheinbar nicht vorhanden. Es hätten 47 Schülerinnen und Schüler an der BBS I die sog. Fachhochschulreife erreicht. Die Zahlen habe er aus Zeitungsberichten. Es fehlen somit mindestens 111 Schülerinnen und Schüler in der Statistik. Durch eine höhere Gesamtzahl würde sich eine andere Teilung und damit ein anderer prozentualer Wert ergeben. Natürlich seien 32 Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss zu viel.

 

Herr Buß sagt zu, die dargestellten Zahlen nochmal näher zu betrachten.

 

Anmerkung der Protokollführung:

 

Lt. Mitteilung des Fachdienstes Schule und Sport sind bei den in der Vorlage dargestellten Zahlen zu den Schulabschlüssen nur die Abschlüsse an den allgemeinbildenden Schulen berücksichtigt worden, da sich augenscheinlich auch das Berlin-Institut auf diese beschränkt hat.

 

Herr Buisker ist ebenfalls der Ansicht, dass es kein Schulranking geben sollte. Eine detaillierte Aufteilung der einzelnen Schulen sollte nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden. In den Schulen werde bereits sehr viel geleistet. Jede einzelne Schule habe ganz spezielle Probleme und Situationen. Solche Daten sollten im kleinen Rahmen zur Verfügung gestellt werden.

 

Herrn Busch gehe es bei der Diskussion zu viel um Statistik. Die FDP wolle wissen, wie viele Hauptschüler ohne Schulabschluss die Schule verlassen und wie diesen Schülerinnen und Schülern am Ende der Schulzeit noch Hilfestellung gewährt werden könne. Es gehe nicht darum, Statistiken gegeneinander auszuwerten. Es seien teilweise tüchtige junge Menschen, die eigentlich in die Lage versetzt werden müssten, einen Hauptschulabschluss mit der Note 4 zu erreichen. Es gehe um die einzelnen Schülerinnen und Schüler und nicht um Statistiken. Es sollte konstruktiv an der Problematik gearbeitet werden. Natürlich können die konkreten Zahlen der einzelnen Schulen auch nichtöffentlich dargestellt werden.

 

Herr Buß erklärt, die Verwaltung habe die Problematik sehr wohl erkannt. Daher werde die Verwaltung sich intensiv mit den Fachleuten aus dem kommunalen Bildungsmanagement und mit den Schulen zusammensetzen, um die Gründe herauszufinden. Mit dem Vortrag sollte auch dargestellt werden, dass in Emden dennoch gute Bildungsarbeit betrieben werde.

 

Herr Böckmann bestätigt, an den Schulen werde hervorragende Bildungsarbeit geleistet. Die Kluft sei aber enorm. Es seien teilweise wirklich ambitionierte Leute, die den Abschluss nicht erreichen. Fehlende Hauptschulabschlüsse können nicht mit Abiturabschlüssen kompensiert werden.

 

Herr Götze legt dar, dass es 700 alleinerziehende Frauen gebe. Viele Eltern hätten ihre eigenen Probleme und dadurch Probleme, ihre Kinder auf den Weg zu bringen. Entscheidend sei, dass es auch ohne Abschluss Chancen gebe. Natürlich können während der Schulzeit Störungen in der Familie auftauchen. Ebenso spiele Mobbing eine große Rolle in den Schulen. Viele Schülerinnen und Schüler fühlen sich nicht mehr wertgeschätzt. Die Lehrkräfte wissen durch die tägliche Arbeit mit den Kindern am besten, wo die Problematiken liegen. Den jungen Menschen müsse eine Unterstützung angeboten werden. Auch ohne Abschluss gebe es immer Möglichkeiten, den Übergang Schule und Beruf zu ermöglichen. Es gebe viele Gründe von Schulverweigerung. An den Ursachen müsse gearbeitet werden.

 

Herr Verlee ist ebenfalls der Meinung, dass das Problem nicht die Schulen oder Lehrkräfte seien. Bei einer Auflistung der einzelnen Schulen bestehe die Gefahr, dass Bewertungen der Schulen vorgenommen werden. Die Gesellschaft habe einen sehr hohen Einfluss auf die Gesellschaftsstruktur. Bei der Förderung würden die Schulen und Lehrkräfte ihr Potenzial bereits vollkommen ausschöpfen.

 

Herr Buß weist nochmals darauf hin, dass die Thematik weiter geprüft werde. Es können sicherlich anschließend konkrete Ursachen benannt werden. Die Stadt habe insgesamt einige Programme im Bereich der Jugendhilfe, um dieser Problematik zu begegnen. Sicherlich sei auch ein Vergleich mit anderen Kommunen notwendig. Die Konzepte müssen gegebenenfalls überarbeitet werden. Dennoch müsse berücksichtigt werden, dass die Schulen nicht sämtliche gesellschaftliche Probleme auffangen können.

 

Herr Engelberts bemerkt, er wollte durch seinen Hinweis auf die fehlenden Abschlüsse der berufsbildenden Schulen nicht die Abiturienten mit den Schulabbrechern ins Verhältnis setzen. Er habe mitteilen wollen, dass diese Statistik falsch sei. Es seien einige Schülerinnen und Schüler nicht berücksichtigt worden. Würden die fehlenden Schülerinnen und Schüler in der Statistik dazu gerechnet, liege die Quote bei 5,7 %.

 

Herr Böckmann schildert, ein Top-Ziel im Bereich Bildung und Erziehung laute „Die Schulabschlussquoten sollen nicht schlechter sein als im Landesdurchschnitt“. Der Prozentsatz von 8,7 sei eine Tragödie. Dies könne man sich gesellschaftlich, politisch und volkswirtschaftlich nicht leisten. Daher müsse etwas dagegen unternommen werden. Es gehe um junge Menschen, die eine Perspektive brauchen und Teilhabe erfahren sollen.

 

Herr Buß gibt Herrn Engelberts Recht, dass durch eine höhere Gesamtzahl rechnerisch eine andere Quote herauskomme. Dies ändere jedoch nichts an dem Problem. Jeder Schüler und jede Schülerin ohne Abschluss sei zu viel. Daran müsse gearbeitet werden.