Die Vereinbarung zur Förderung der Arbeit der Beratungsstelle des AWO-Kreisverbandes Emden e. V. im Bereich Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zwischen dem Jugendamt Emden und dem AWO-Kreisverband e. V. wird gemäß § 77 SGB VIII für den Vereinbarungszeitraum vom 01.01.2020 – 31.12.2023 abgeschlossen.


Herr Janßen erläutert anhand der Vorlage 17/1176 sowie der Anlagen zur Vorlage die Vereinbarung zur Förderung der Arbeit der Beratungsstelle des AWO-Kreisverbandes Emden e. V. im Bereich Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

 

Frau Schneider berichtet, Träger der Beratungsstelle bei Gewalt sei die Arbeiterwohlfahrt in Emden. Laut polizeilicher Kriminalstatistik 2018 waren 136 Kinder sehr massiv von Gewalt betroffen. 80 % dieser Kinder waren jünger als 6 Jahre. In 96 Fällen blieb es bei einem Tötungsversuch. Im Bereich sexualisierter Gewalt habe es bundesweit insgesamt 14.606 Fälle und somit 40 Fälle pro Tag gegeben.

Die Beratungsstelle in Emden existiere seit November 1996. Bis Dezember 2018 erhielten in der Beratungsstelle 1.590 Personen Unterstützung zu den Themen Vernachlässigung, häusliche Gewalt und schwerpunktmäßig sexualisierte Gewalt. 927 Personen waren Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren, sowie 663 Personen über 18 Jahre. Insgesamt waren 544 Mädchen, 283 Jungen, 583 Frauen und 80 Männer betroffen. Anschließend erläutert sie die statistischen Fallzahlen für das Jahr 2018:

 

Insgesamt

56 Fälle

Vernachlässigung

2 Fälle

körperliche Misshandlung

5 Fälle

sexualisierte Gewalt

37 Fälle

multiple Problemlagen

11 Fälle

Grooming (sexuelle Übergriffe im Internet)

1 Fall

 

Mädchen

nach Alter

Vernachlässigung

1 Fall zwischen 11 und 14 Jahre

1 Fall zwischen 15 und 18 Jahre

körperliche Misshandlung

1 Fall zwischen 15 und 18 Jahre

1 Fall zwischen 18 und 27 Jahre

sexualisierte Gewalt

4 Fälle zwischen 0 und 5 Jahre

3 Fälle zwischen 6 und 10 Jahre

1 Fall zwischen 11 und 14 Jahre

10 Fälle zwischen 15 und 18 Jahre

10 Fälle über 18 Jahre

multiple Problemlagen

3 Fälle zwischen 11 und 14 Jahre

4 Fälle zwischen 15 und 18 Jahre

 

Jungen

nach Alter

körperliche Misshandlung

1 Fall zwischen 6 und 10 Jahre

1 Fall zwischen 15 und 18 Jahre

1 Fall zwischen 18 und 27 Jahre

sexualisierte Gewalt

3 Fälle zwischen 0 und 5 Jahre

4 Fälle zwischen 6 und 10 Jahre

1 Fall zwischen 11 und 14 Jahre

1 Fall zwischen 15 und 18 Jahre

2 Fälle über 18 Jahre

multiple Problemlagen

1 Fall zwischen 0 und 5 Jahre

1 Fall zwischen 6 und 10 Jahre

1 Fall zwischen 18 und 27 Jahre

 

Von den Betroffenen seien 3 durch den Vater, 13 durch die Mutter und 22 durch Fremde, Freunde, Bekannte Verwandte, Lehrkräfte usw. gemeldet worden. Insgesamt waren 18 Betroffene Selbstmelder. Dies seien hauptsächlich Jugendliche ab 14 Jahre. Heutzutage werde in der Öffentlichkeit mehr über sexualisierte Gewalt gesprochen. Dies sei kein Tabuthema mehr. Dadurch seien auch mehr Fälle bekannt. Zurzeit würden mit den Institutionen wie beispielsweise Schulen und Kindergärten Gespräche geführt, um Schutzkonzepte zu erarbeiten. Es gehe dabei um Partizipation, Beschwerdemanagement und um Abfolgepläne. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf das Präventionsprojekt „Echt Klasse!“. Dort würden alle Kinder der vierten Klassen in einer interaktiven Ausstellung geschult. Das Projekt könnte möglicherweise schon bereits in den Kindergärten beginnen.

 

Frau Kruse bedankt sich für die Ausführungen und bittet um Wortmeldungen.

 

Herr Busch bedankt sich für die Arbeit. Prävention sei äußerst wichtig, damit immer weniger Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt werden. Die Beratungsstelle leiste ebenso Gefahrenabwehr. Es gehe tatsächlich um das einzelne Kind und Schicksal. Die neuen Medien sehe er in diesem Zusammenhang mit sehr viel Sorge. Der Zugang sei für die Kinder sehr viel leichter. Es könnte dazu führen, dass noch mehr sexuelle Gewalt stattfinden werde. Die Zahlen seien laut Auskunft bislang gleichbleibend. Die FDP-Fraktion werde natürlich der Vorlage zustimmen.

 

Herr Bornemann gibt an, der Verwaltungsvorstand sei vollkommen überzeugt, die Arbeit zu verlängern und fortzusetzen. Es gehe um die Schwächsten in der Gesellschaft. Kinder und Jugendliche können sich meist nicht wehren. Es sei eine segensreiche Arbeit. Er bestärkt, dass die Verwaltung trotz der schwierigen Haushaltslage komplett hinter diesem Vorschlag stehe.

 

Frau Meinen bedankt sich ebenfalls für die Ausführungen. Ihres Erachtens sei die Anzahl von 22 Fremdmeldern bei 56 Fällen sehr hoch. Immer mehr Personen würden genauer hinschauen und bei Auffälligkeiten nicht weggucken, um die Kinder zu schützen. Die Gesellschaft sei offener. Die Beratungsstelle sowie die Prävention seien für die Kinder äußerst wichtig. Die Kinder müssen lernen, solche Geschehnisse den Erwachsenen mitzuteilen. Sie wünscht viel Erfolg bei der weiteren Arbeit. Es sei wichtig, auch schon in den Kindergärten zu beginnen. Die SPD-Fraktion werde dem Beschluss ebenfalls zustimmen.

 

Herr Cuhlmann weist darauf hin, dass an den Schulen auch die Beratungslehrkräfte und Sozialpädagogen sowie weitere Institutionen involviert seien. Es sei positiv, dass es so viele Möglichkeiten gebe, um den Kindern zu helfen. Er möchte wissen, ob die Ressourcen an der Beratungsstelle ausreichend seien oder ob auch Fälle abgelehnt werden müssen.

 

Frau Kruse fragt, ob Fälle angezeigt werden, bei denen es am Ende gar keinen Konflikt gegeben habe.

 

Frau Schneider könne dies aus ihrer Erfahrung nicht bestätigen. Bei Äußerungen von Jugendlichen liege auf alle Fälle eine Problematik vor. Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung und Hilfe. Es liege meist immer eine Notlage vor.

Sie leiste die Arbeit alleine und habe somit keine Vertretung. Bei Krankheit sei die Stelle nicht besetzt. Sie habe die Arbeit so organisiert, dass sie mit einem Diensthandy arbeite und von 8 Uhr bis 20 Uhr erreichbar sei. Dies werde nur in Notfällen benutzt. Sie habe die Öffnungszeiten recht zügig abgeschafft, sodass sie nur auf Anforderung und nach Termin arbeite. Es werde dadurch keine Arbeitszeit verschwendet. Es gebe innerhalb eines Jahres auch mal ruhigere Zeiten, wo Plusstunden abgearbeitet werden können. Ebenso seien manche Fälle tatsächlich nur Beratungstätigkeit, sodass nur informiert oder vermittelt werden müsse. Andere Klienten wiederum betreue sie über Jahre, um Vertrauen aufzubauen. Die Einteilung der Arbeit funktioniere bisher gut. Weiterhin bestehe ein sehr gutes Netz in Emden, sodass sie von vielen Einrichtungen unterstützt werde.

Sie bedankt sich abschließend bei Herrn Lücht für die geleistete Unterstützung. Herr Janßen werde die gute Zusammenarbeit sicherlich fortsetzen.