Beschluss: Kenntnis genommen.

Herr Grendel und Herr Schabler stellen anhand einer Präsentation die Kurzanalyse Wanderungsbewegung 09/2017 bis 08/2019 vor (siehe Anlagen zur Sitzung). Als Tischvorlage wurde dazu der Bericht „Bevölkerungsentwicklung in Emden – Eine ad hoc Analyse der Wanderungsbewegungen 2017 – 2019“ ausgegeben.

 

Herr Schabler teilt mit, dass die Bevölkerungsentwicklung zum Stichtag des 30.06.2019 den Anlass gegeben habe, die Bevölkerungsentwicklung zwischen August 2017 und August 2019 zu analysieren. Herr Schabler stellt dem Ausschuss die Daten aus der Tischvorlage „Bevölkerungsentwicklung in Emden / Eine ad hoc Analyse der Wanderungsbewegungen 2017 -2019“ vor. (Dokument ist im Ratsinformationssystem hinterlegt).

 

Herr Gosciniak bedankt sich für die Analyse bei Herrn Schabler und erteilt Herrn Malzahn das Wort.

 

Herr Malzahn bezieht sich in seinen Ausführungen auf die bestehende Fragestellung der FDP-Fraktion hinsichtlich der bisher durchgeführten Maßnahmen der Stadtverwaltung dem Einwohnerverlust entgegen zu wirken.

Die Aufgabe des Fachdienstes Stadtplanung sei die Erkennung und Erarbeitung städtebaulicher   Entwicklungs- und Verbesserungspotenziale und Begleitung von Entwicklungsprozessen.

Zu den bisher durchgeführten Maßnahmen gehören unter anderem:

-       Die Beauftragung des GEWOS- Gutachten (2019): Leitlinie für weiteres Handeln zur sozialverträglichen Wohnraumentwicklung.

-       Das Stadtentwicklungskonzept Wohnen (2012).

-       Die Pendlerbefragung.

-       Die avisierte Befragung abgewanderter Personen (in den Nahbereich Emden).

-       Die Entwicklung neuer Bauflächen, um ausreichend Wohnbauflächen zur Verfügung zu stellen (z.B. Conrebbersweg).

-       Die Maßnahmen zur Revitalisierung des ÜLTJE-Geländes mit verschiedenen Nutzungen

-       Eine langfristige Überarbeitung des Baulückenkatasters zur Evaluierung möglicher Wohnnutzungen im Stadtgebiet.

-       Die laufenden Wohnungs- und Gebäudesanierungen in den sozialen Stadtgebieten Port Arthur/Transvaal und Barenburg in Zusammenarbeit mit der BauBeCon und der WBN.

-       Eine langfristige Sicherung von Wohnungsbeständen im Stadtteil Barenburg.

Hinsichtlich der Fragestellung der FDP-Fraktion zu den prognostizierten Bedarfen aus der GEWOS Studie erläutert Herr Malzahn, dass es sich bei den NBank- und GEWOS-Studien um Trendgutachten handele.

 

Das GEWOS-Gutachten sehe unter anderem einen Bedarf an neuen Wohneinheiten durch Anstieg der Anzahl an Haushalten (u.a. mehr Singlehaushalte) sowie die Vorhaltung einer Fluktuationsreserve von ca. 2 % bis 4 % vor.

 

Es bestehe ein großer Bedarf an Baulandflächen, dessen Deckung mittel- bis langfristig u.a. durch das Neubaugebiet Conrebbersweg erfolgen könne.

 

Herr Malzahn erläutert, dass die Basis für weitere Planungen neben den vorliegenden Gutachten auch in den politischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen, der Arbeitsmarktsituation oder Entwicklungen der Bevölkerungsstrukturen liegen und daher die verschiedenen Wechselwirkungen zu berücksichtigen seien.

 

Die Studie der NBank würde lediglich den aktuellen (Abwanderungs-)Trend weiter fortführen und folgere genau daraus einen nicht mehr benötigen Wohnbedarf für das Stadtgebiet.

Ein Hauptgrund des derzeitigen Abwanderungstrends aus der Stadt sei jedoch das fehlende Baulandangebot, um daraus ausreichend Wohnraum zu generieren.

 

Durch die Planungen neuer Baugebiete (z.B. Conrebbersweg) sollen wieder ausreichend Bauflächen zur Verfügung gestellt werden, um eine Ansiedelung zu ermöglichen. Die Baugebiete sollen dabei bedarfsgerecht und Abschnittsweise geplant werden.

 

Die Entwicklung eines Wohnungsmarkt-Monitoring zur Abbildung möglichst aktueller Zahlen sei vorgesehen und werde langfristig durch die Koordinationsstelle Wohnen und der Stabsstelle Sozialplanung erarbeitet.

 

Gemäß Herrn Kruithoff sei eine Begründung zur Negativentwicklung der Bevölkerungszahlen nicht nur in einem Mangel an Bauland zu sehen. Vielmehr sei diese Entwicklung auch auf die Situation auf dem Arbeitsmarkt, der Attraktivität und Aufenthaltsqualität der Innenstadt oder der KiTa-Situation zurückzuführen. Es würde sich demnach um eine Verzahnung strategischer Maßnahmen handeln, wobei die Baulandschaffung eines der Kernthemen darstelle.

 

Herr Bolinius bedankt sich für die umfangreichen Ausführungen und Informationen und teilt mit, dass alle offenen Fragen aus seiner Sicht beantwortet worden seien.

 

Im Zusammenhang mit der Darstellung des Gutachtens der NBank zu den künftigen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt bis 2035 bedankt sich Herr Bolinius für die Klarstellung, dass es sich um eine Trendstudie handele, welche keine festgesetzten Realitätsentwicklungen wiedergebe.

 

Herr Buisker und Herr Strelow bedanken sich ebenfalls für die Vorträge und gute Darstellung der Situation. Emden müsse nicht nur attraktiv für Einheimische bleiben bzw. werden, sondern auch für Personengruppen von außerhalb, welche durch gezielte Aktivitäten erreichbar wären.

 

 

Auf eine Nachfrage von Herrn Hegewald teilt Herr Docter mit, dass die Erkenntnisse des Landesamtes für Statistik in die NBank Studie mit eingeflossen seien. Des Weiteren benennt er die Gruppe der Pendler als „Zielgruppe“, welche von Herrn Hegewald angesprochen worden seien.

 

Im November/Dezember 2019 habe bei der Stadtverwaltung eine interne Pendlerbefragung stattgefunden habe. Grundsätzlich müsse man sich vor Augen halten, dass Emden ohne entsprechendes und attraktives Baulandangebot nicht attraktiv sei.

 

In Bezug auf die GEWOS-Studie teilt Herr Docter mit, dass es möglich wäre 5 % der Pendler als Zuzügler zu gewinnen. Eine zwingende Grundvoraussetzung dafür sei jedoch ein attraktives Wohnangebot.

 

Herr Jahnke erklärt, weshalb eine hohe Einwohnerzahl für die Stadt wichtig sei. In erster Linie seien der Finanzausgleich sowie die Größe des Rates davon betroffen. Emden müsse deshalb attraktiv werden.

 

Herr Jahnke informiert des Weiteren darüber, dass zum aktuellen Zeitpunkt von ca. 50.000 Einwohnern ca. 6.000 Einwohner Transferleistungen beziehen.

 

Herr Mälzer führt an, dass es in Emden kein Bauland „en masse“ gebe, weshalb er anregt die Baugebiete nicht so stark zu bevölkern, sondern den Schwerpunkt auf die Innenstadt zu legen. Herr Mälzer fordert eine Verschönerung der Innenstadt, um die Attraktivität für potenzielle Zuzügler zu steigern.

 

Herr Docter antwortet auf eine Frage von Herrn Götze und teilt mit, dass Emden nicht durch Leerstände gekennzeichnet sei. Dieses sei inhaltlich auch in der GEWOS-Studie erläutert. Der Altwohnungsbestand sei insgesamt jedoch in keinem guten Zustand, da die Gebäudeeigentümer unter Umständen keine Emder (Erbe, Kauf etc.) seien, weshalb wohl oftmals das Interesse an den Gebäuden fehle. Eine gewisse Fluktuationsrate verbunden mit einigen Leerständen halte Herr Docter hingegen für notwendig.

 

Auch die Mieten für Studenten seien seiner Ansicht nach nicht zu hoch. Herr Docter führt an, dass vor allem im Stadtteil Barenburg die positiven Entwicklungen gute Möglichkeiten biete eine Wohnung finden zu können. Bei der Forderung nach bezahlbaren und barrierefreien Wohnungen müsse immer der Gesamtzusammenhang gesehen werden, beispielsweise ob eine Realisierung aus Platzgründen möglich sei. Selbstverständlich müsse diese Forderung für das weitere Handeln auch mitberücksichtigt werden.