Beschluss: Kenntnis genommen.

Abstimmung: Ja: 0, Nein: 0, Enthaltungen: 0, Befangen: 0

Frau Horn-Wulfke führt aus, daß das Frauenhaus in erster Linie ein Schutzhaus für Frauen und Kinder ist, die körperliche, seelische und sexuelle Gewalt in der Partnerschaft oder Familie erfah­ren.

 

Das Frauenhaus Emden arbeitet seit Ende 1986 unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (zunächst Bezirksverband- seit 1990 Kreisverband Emden).

 

Das Frauenhaus kann insgesamt 12 Personen -Frauen mit ihren Kindern- aufnehmen.

 

Im Frauenhaus Emden arbeiten zwei Diplom-Sozialarbeiterinnen mit je 32,5 Stunden und zwei Erzieherinnen mit je 32,5 Stunden im Tagdienst und zwei Kräfte mit je 28 Stunden im Nachtdienst.

 

Es ist zu verzeichnen, daß sich das Klientel in den letzten Jahren verändert hat. Die Frauen kommen immer später ins Frauenhaus, d.h. aus verschiedenen Gründen halten sie immer länger in der gewalttätigen Beziehung aus. Außerdem ist zu verzeichnen, daß der Anteil an Aussiedlerinnen und Ausländerinnen bei rund 30 % liegt. Dadurch ergeben sich erschwerte Arbeitsbedingungen durch die sprachlichen Barrieren, aber auch durch die komplizierte Rechtslage, besonders bei Asylbewerberinnen.

 

Frau Horn-Wulfke stellt die Arbeitsschwerpunkte dar:

 

1. Frauenberatung

Die Frauenberatung findet zum einen intern im Frauenhaus statt, d.h. die Frauen, die sich im Haus aufhalten, haben Anspruch auf sozialpädagogische Beratung. Aber auch Frauen, die das Frauenhaus bereits verlassen haben, können eine Beratung in Anspruch nehmen.

 

2. Kinderbereich

Kinder in einer gewalttätigen Beziehung sind immer entweder direkt durch körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt oder indirekt durch eine Atmosphäre von Gewalt betroffen.

Entwicklungsstörungen, Schulprobleme und Verhaltensauffälligkeiten können die Folge sein.

 

3. Öffentlichkeitsarbeit

Nach wie vor, in letzter Zeit sogar verstärkt, gibt es Gewalt in Familien. Deshalb ist es ein originäres Aufgabengebiet des Frauenhauses, die Aufklärung über Gewalt in Familien und die Enttabuisierung dieses Themas voranzutreiben. Das Frauenhaus arbeitet deshalb seit einem Jahr in dem Arbeitskreis "Gewaltprävention" mit und ist aktiv an der Gestaltung der Aktionswoche "Gewalt (ohne) Ende?" beteiligt.

 

Durch verschiedene Spenden und einen Zuschuß der Stadt ist es dem Frauenhaus ermöglicht worden, notwendige Renovierungsarbeiten durchzuführen.

 

Frau Horn-Wulfke macht nochmals deutlich, daß der jetzige Personalstand unbedingt erhalten bleiben muß, um die Arbeit in gewohnter Weise leisten zu können.

 

Qualitätssicherung ist ein wichtiges Ziel dieser Einrichtung und das Frauenhaus wird in der nächsten Zeit mit der Arbeit an der Zertifizierung beginnen.

 

Anschließend berichtet Frau Strätz über die externe Beratungsarbeit des Frauenhauses:

Da der Bedarf an einer ambulanten Beratung gestiegen ist, gibt es seit Oktober 1996 zusätzlich zum Frauenhaus eine ambulante Beratungsstelle.

Diese ambulante Beratung umfaßt telefonische und nachgehende Beratung.

Überwiegend kommen Frauen zur Beratungsstelle um sich beraten zu lassen, bevor sie Ihren Partner verlassen, aber auch Frauen, die in gewalttätigen Beziehungen leben und sich noch nicht trennen können.

 

In der Frauenberatungsstelle sind 2 Sozialpädagoginnen mit einer wöchentlichen Stundenzahl von sechs bis acht Stunden beschäftigt. Außerdem steht einmal im Monat für zwei Stunden eine Rechtsanwältin für rechtliche Fragen zur Verfügung. Im Bereich der Kinder und Jugendlichen steht eine Sozialpädagogin mit einer wöchentlichen Stundenzahl von 19 Stunden zur Verfügung.

 

Herr Dr. Beisser möchte von Frau Horn-Wulfke wissen, ob sie eine Zertifizierung nach der Iso-Norm meint. Er macht darauf aufmerksam, daß eine Zertifizierung mit hohen Kosten verbunden ist.

 

Frau Horn-Wulfke erwidert, daß der Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt bereits mit einer Zertifizierung angefangen hat. Eine Bearbeitung der Standards wäre unbedingt notwendig.