Beschluss: Kenntnis genommen.

Abstimmung: Ja: 0, Nein: 0, Enthaltungen: 0, Befangen: 0

Der Sozialarbeiter, Martin Meyerhoff, stellt die Bezirkssozialarbeit vor, die beim Fachdienst Sozialer Dienst innerhalb des Fachbereiches angesiedelt sei. In diesem Bereich seien sieben Vollzeit bzw. Teilzeitkräfte tätig. Die rechtliche Grundlage für die Arbeit sei das Sozialgesetzbuch VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz), wonach folgende Einzelfallhilfen angeboten würden: Hilfe zur Erziehung, Erziehungsberatung, Soziale Gruppenarbeit, sozialpädagogische Einzelbetreuung, Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen, Herausnahme des Kindes oder des Jugendlichen, Mitwirkung bei Verfahren vor dem Vormundschafts- und Familiengericht, Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung.

 

Herr Meyerhoff erklärt, daß es sich bei den Mitarbeitern der Bezirkssozialarbeit um sog. "Allroundbearbeiter" handele und erläutert die praktische Arbeit anhand von mehreren Beispielen. Er weist ausdrücklich daraufhin, daß gem. Artikel 6 Grundgesetz zuerst einmal die Pflege und Erziehung der Kinder das natürliche Recht der Eltern und die Pflicht der Eltern sei.

 

Dann geht Herr Meyerhoff ausführlich auf die Lage der Kinder und deren Schwierigkeiten ein. Festzustellen sei eine Verlängerung der Kinder- und Jugendphase im Vergleich zu anderen Epo­chen, eine Abnahme der Erziehungs- und Kontrollfunktion der Familie, Zunahme der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Kinder und Jugendlichen von der Familie, eine Wandelung der Famiienstruktur von der Mehrgenerationenfamilie zur Zweigenerationen-Familie, Ansteigen der 1-Kind-Familien, bzw. 1 Elternfamilie, eine Wandelung der Familie von der relativ festen und einer lebenslang währenden Institution zur Verhandlungssache auf Zeit. Es wird des weiteren festgestellt, daß jährlich ca. 300.000 Kinder in Deutschland von Scheidung betroffen sind. Eltern treten ihren Kinder gegenüber immer weniger als Autoritätsperson auf und milieuspezifische und soziokulturelle Wertvorstellungen verlieren an Bedeutung.

 

Nach ausführlicher Darstellung des Bezirkssozialarbeiters, Herrn Meyerhoff, ergibt sich im Anschluß eine rege Diskussion.  

 

Herr Mecklenburg erklärt, die Lage der Kinder habe sich verändert, weil sich der Zustand der Gesellschaft verändert habe. Positiv aufgefallen sei ihm diesbezüglich, daß sich der Soziale Dienst diesen Veränderungen angepaßt habe. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und dem Sozialen Dienst habe sich in der Vergangenheit stark verbessert. Er als Lehrer habe festgestellt, daß der Soziale Dienst der Schule Rat und Hilfe anbiete. Die Zusammenarbeit müsse sich jedoch weiterhin institutionalisieren.

 

Frau Tamminga vertritt die Auffassung, je liberaler die Lebensweise, desto mehr nehme die Kriminalität sowie auffällige Verhaltensweisen zu. Hieraus stelle sich die Frage, ob das Angebot zu groß oder der Zusammenhalt nicht mehr da sei.

 

Herr Herbst ist der Meinung, daß jede bisherige Generation ihre eigenen Schwierigkeiten gehabt habe.

 

Frau Schoolmann kritisiert, daß heutzutage materielle Dinge im Vordergrund stünden, wonach Kinder es besser haben sollen und nichts mehr selber zu machen haben.

 

Herr Quedraogo ist der Meinung, daß Jugendliche von heute einen Freiheitsdrang hätten, den sie überhaupt nicht bräuchten. Die Eltern seien wieder mehr in die Verantwortung zu nehmen.

 

Herr Grix kritisiert, daß sich die Wahrnehmung verändert habe. Als Beispiel nennt er, daß Jugendliche wegen "Zigaretten schnorren" heutzutage wegen räuberischer Erpressung vor Gericht gestellt würden. Außerdem stellt er fest, daß bestimmte Klientel mit immer gleichen Namen seit Generationen auftauchten. Anscheinend sei es schwierig, Veränderungen herbeizuführen.

 

Herr Meyerhoff erklärt, daß es keine monokausalen Zusammenhänge gebe. Es handele sich um einen großen Komplex, wonach keine einzelnen Ursachen genannt werden können. Im Einzelfall ist es notwendig, mit der Familie in das Gespräch zu kommen, um das Kindeswohl zu prüfen. Hier könne es aber Abweichungen geben, wenn die Familie unter dem Begriff Kindeswohl etwas anderes verstünde. Oft sei ein langer Dialog notwendig, und mit manchen Familien gebe es bereits eine 10jährige Zusammenarbeit.

 

Herr Saathoff macht deutlich, daß der Soziale Dienst Hilfen im Einzelfall anbiete. Das seien in erster Linie familienentlastende, also ambulante Maßnahmen. Familienersetzende Maßnahmen, nämlich die Unterbringung in Heimen oder Pfegefamlien, seien das letzte Mittel, wenn alles anderes nicht greife.

 

Frau Meinen spricht sich dafür aus, daß die Angebote für Kinder und Jugendliche zusammengefaßt werden sollten. Sie habe den Eindruck, das hier und dort etwas gemacht würde, ist aber für eine engere Zusammenfassung.

 

Herr Sprengelmeyer stellt die Frage, inwieweit können wir Kindern zuhören, Kinder verstehen, Kinder ernstnehmen, sowie die Beteiligung der Kinder ernstnehmen. Dies sei für ihn ein wichtiger Punkt für die Struktur innerhalb der Jugendhilfeplanung.

 

Im Anschluß an die rege Diskussion erklärt Herr Saathoff die verschiedenen Tätigkeitsfelder des Jugendamtes und schlägt vor, die Berichterstattung einzelner Fachdienste bzw. Abteilungen weiter fortsetzen zu wollen, wenn die Mitglieder des Jugendhilfeausschuses hiermit einverstanden sind.