Herr Kruse führt den Antrag erläuternd aus, dass es seiner Meinung nach zwingend erforderlich sei, dass über die Aufgaben der Hauptberuflichen Wachbereitschaft von sachlicher und fachlicher Seite durch Herrn Lenz aufgeklärt werde. So habe er durch vielfache Äußerungen in der Bevölkerung wahrgenommen, dass sich gefragt werde, was die Feuerwehr überhaupt mache, dieses insbesondere auch außerhalb von Einsätzen. Hier würden dann auch Vermutungen dahingehend angestellt, dass dann z. B. Karten gespielt würde. Auch werde die Frage nach der Vielzahl und Fahrzeugen und Einsatzkräften vor Ort gestellt und diese dann bspw. nur 10 Minuten vor Ort seien. Er selber sei mittlerweile seit 11 Jahren in Pension, aber fast 40 Jahre im Feuerwehrdienst tätig gewesen. Daher wisse er auch, wie die Feuerwehr funktioniere und wie wichtig auch die Erledigung elementarer Aufgaben zwischen den Einsätzen sei, um die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr zu erhalten. Um solchen Mutmaßungen entgegenzutreten, die sich über Mundpropaganda zudem weiterverbreiten, halte er es für sehr wichtig, auch die Öffentlichkeit darüber aufzuklären. In diesem Zusammenhang freue er sich darüber, dass an dieser Sitzung zahlreiche Kollegen der Hauptberuflichen Wachbereitschaft teilnehmen würden. Diese unterstreiche auch die Wichtigkeit seines Antrags. Andererseits bedauere er aber auch, dass die Presse heute Abend nicht anwesend sei. Seine Intention sei gewesen, auch darüber diese Informationen zu verbreiten.

Herr Lenz führt eingangs aus, dass ihm nach Erhalt des Antrags sofort vielzählige Aufgaben in den „Kopf geschossen“ seien. Nachdem er sich sowohl mit seinem Vertreter, Herrn Janssen, als auch einem Teil der Wachabteilungsführer beraten habe, sei ihm sehr schnell klar gewesen, dass, wenn er alle Aufgaben darstellen würde, sein Vortrag viel zu lang dauern würde. Er habe daraufhin vier Tabellen erstellt, mit dem Ziel, das Ganze genügend transparent, aber auch so kurz wie möglich und so ausführlich wie nötig zu halten. Sein Eindruck sei, dass die wenigsten Menschen wissen, was eine Feuerwehr überhaupt mache. Auch würde vielfach geglaubt, dass es nur noch eine Berufsfeuerwehr und keine freiwillige Feuerwehr mehr gäbe.

Herr Lenz stellt im Weiteren die Vorlage vor, in der die wesentlichen Punkte zusammengefasst seien. Er geht auf die wöchentliche Arbeitszeit mit 56 Stunden, deren Aufteilung auf die Wochentage und die Personalstärke ein. Zudem führt er den Geschäftsverteilungsplan sowie die Mindestwachstärke mit ihren Funktionen vor. Hierbei macht er auch deutlich, dass die Feuerwehr viele ihrer Aufgaben aufgrund vorhandener vielfältiger Fachlichkeiten der Kollegen, so u. a. Reparaturen an Fahrzeugen und an den Gebäuden, in Eigenleistung vornehme. Im Weiteren gibt er einen Überblick über die Anzahl der Einsätze und macht deutlich, dass ein Einsatz immer bedinge, sofort mit allen Einsatzkräften vor Ort zu sein. Zunächst eine Sondierung dahingehend zu machen, welche Fahrzeuge und Einsatzkräfte benötigt würden, gebe die Zeit nicht her. Was in den letzten Jahren erschwerend hinzugekommen sei, seien die sich permanent erhöhenden und vielfältigen Anforderungen des Arbeitsschutzes mit den geforderten vielfältigen Dokumentationen. Auch die Anforderungen im Bereich der prüfpflichtigen Geräte steigen zusehends. Letztlich seien auch die Spezialaufgaben Schiffsbrandbekämpfung, Wasserrettung/Tauchergruppe und die spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen (SRHT) zu benennen, die sich als weit überdurchschnittlich ausbildungs- und arbeitsintensiv darstellen.

Anschließend stellt Herr Lenz anhand von den genannten vier Tabellen die vielfältigen Aufgaben der Hauptberuflichen Wachbereitschaft vor. Die Tabellen sind im Internet unter https://gremieninfo.emden.de/bi/info.asp abrufbar. Ausgehend von diesen Tabellen stellt er den Rahmendienstplan mit der Strukturierung des Tagesablaufes, den Arbeitsdienst an Fahrzeugen und Geräten sowie an Gebäuden, die Tätigkeiten im Rahmen der Verwaltung (u. a. Jahresdienst- und Urlaubsplanung) sowie die geforderten umfangreichen Aus- und Fortbildungen dar. Ergänzend macht er deutlich, dass im Rahmen der Bereitschaftszeit nach Möglichkeit ein gemeinsames Mittagessen einzunehmen sei. Hier stehe der im Bereich der Feuerwehr unabdingbare Teamgedanke im Vordergrund, der uneingeschränktes Vertrauen untereinander bedinge. So gehe man zusammen ins Feuer, aus dem auch gemeinsam wieder herausgegangen werden sollte. Genauso wichtig und zudem gesetzlich vorgeschrieben sei der Dienstsport, um die Aufrechterhaltung der jeweiligen eigenen Dienstfähigkeit zu gewährleisten und den strengen gesundheitlichen Anforderungen gerecht zu werden. Zu den Arbeitsdiensten an Fahrzeugen und Geräten weist Herr Lenz auf die notwendigen Wartungsarbeiten und Unterweisungen sowie aufwändigen Dokumentationen hin. Die in der Tabelle gelb markierten Tätigkeiten stellen sich hierbei als besonders arbeitsintensiv dar. Zu bedenken sei, dass die Tabelle zudem keine abschließende Aufzählung beinhalte. Als weitere arbeitszeitintensive Tätigkeiten führt er weiterhin die in Tabelle 3 aufgeführte Expositionsdatenbank und Gefährdungsbeurteilungen an, die auch für die Freiwillige Feuerwehr mitgeführt werde. Bei den Aus- und Fortbildungen gebe es zu bedenken, dass diese sehr umfangreich und zeitintensiv seien und diese Kollegen in diesen Zeiten dem Einsatzdienst fehlen.

Herr Lenz macht deutlich, dass es Situationen gebe, in denen erforderliche Einsätze der Feuerwehr dem geplanten Tagesablauf sprichwörtlich in die Quere kämen. Das sei natürlich die Aufgabe der Feuerwehr, aber es gebe Momente, da hätte man sich gewünscht, dass der Einsatz ein bisschen später erfolgt wäre, damit die geplante Tätigkeit zunächst hätte zu Ende geführt werden können.

Herr Martens bedankt sich bei Herrn Lenz für die sehr umfangreichen Ausführungen. Das sei mehr als eine Darstellung des Aufgabenbereichs gewesen. Für eine Kritik, wie Herr Kruse sie wahrgenommen habe, zeige er keinerlei Verständnis.

 

Herr Jahnke dankt für diesen umfassenden Bericht und schlägt vor, zusammen mit Frau Eilers und Herrn Dinkela über einen guten und effizienten Weg, bspw. über eine umfangreiche Pressemitteilung, nachzudenken, damit dieses auch vollumfänglich in die Öffentlichkeit gespiegelt werde. Er empfinde es als sehr wichtig darzustellen, wie viele Dinge von einer Feuerwehr gemacht würden; eben nicht nur das Großschadenereignis, das jeder in Emden mitbekomme.

 

Herr Göring bedankt sich bei Herrn Lenz für den Vortrag und verleiht seiner Dankbarkeit Ausdruck, dass die Feuerwehr im Notfall Tag und Nacht bereitstehe. Ihm sei allerdings auch niemand bekannt, der die Feuerwehr kritisiere. Sollte es aber so sein, dann halte auch er eine intensive Öffentlichkeitsarbeit für wichtig. Allerdings hege er auch Zweifel daran, ob diese Kritiker überhaupt die Zeitung lesen würden. Insgesamt sei aber zu schauen, wie die Arbeit der Feuerwehr den Menschen nähergebracht werden könne. Für ihn stelle sich hierbei eine Pressemitteilung anders da als ein durch einen Redakteur verfassten Artikel. Die Arbeit der Polizei und auch der Feuerwehr werde schon in den Kindergärten und Schulen dargestellt. Aber an irgendeiner Stelle scheine dieses verloren zu gehen oder die Menschen interessieren sich schlichtweg nicht mehr für dieses Thema – mittlerweile ein Problem in vielen Bereichen. Auch er empfehle eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.

Frau Knochenhauer schließt sich dem an und bestätigt, dass im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit einiges gemacht werden könne, einiges aber auch bereits schon getan werde, so u. a. der kürzlich stattgefundene Katastrophenschutztag. Die Anregung, weitere Maßnahmen zu überlegen, nehme sie gerne mit, zumal sie auch davon ausgehe, dass die alleinige Veröffentlichung des Protokolls über diese Sitzung wenig zu einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit beitragen werde. Auch sie fand diesen ausführlichen Vortrag sehr interessant und spricht mit Blick auf die anwesenden Kollegen der Feuerwehr ein großes Dankeschön für die allzeitige Einsatzbereitschaft der gesamten Feuerwehr aus.

Herr Kruse bedankt sich recht herzlich für den ausgezeichneten und detaillierten Bericht. Er bittet Herrn Lenz, im Hinblick auf die Vielzahl der Einsatzkräfte am Einsatzort noch ergänzende Erläuterungen zur Alarm- und Ausrückordnung zu geben. Darüber hinaus bekräftigt er die bereits genannte Gemeinschaft unter den Feuerwehrleuten. So seien die Kollegen rd. 1/3 ihres Lebens im Dienst auf der Feuerwehrwache. Das bedeute, dass diese nicht nur zusammenarbeiten, sondern ein Stück weit auch gemeinsam leben würden. Dieses bedinge, dass der Zusammenhalt untereinander gepflegt werde und man sich zu 100 Prozent aufeinander verlassen könne. Er selber sei von 1995 bis 2012 bei der hauptberuflichen Wachbereitschaft in Emden gewesen und davor von 1974 bis 1995 bei der Berufsfeuerwehr in einer größeren Stadt. Er habe hierbei einen großen Unterschied feststellen können. In der Berufsfeuerwehr einer großen Stadt üben viele diesen Beruf aus, weil es ihr Beruf sei. Als er nach Emden gekommen sei, habe er etwas ganz anderes feststellen dürfen. Hier sei immer eine große Bereitschaft zu arbeiten vorhanden gewesen und dieses auch über Dienstschluss hinaus. Es spiele auch überhaupt keine Rolle wie lange, es werde solange gearbeitet, bis die Arbeit fertig sei. Dieses sei für ihn seinerzeit eine ganz neue Erfahrung gewesen. Und er gehe davon aus, dass dieses heute noch genau gelte. Des Weiteren führt Herr Kruse zur Anmerkung von Herrn Göring aus, dass viele Menschen wissen, dass er selber jahrelang bei der Feuerwehr gearbeitet habe. Er nehme daher an, dass von diesen Menschen auch der direkte Weg zu ihm gesucht worden sei, während diese Kritik an anderer Stelle nicht geäußert worden sei.

Herr Lenz erläutert, dass es im Rahmen der Alarm- und Ausrückordnung AAO gesetzliche Vorgaben gebe, die es zu erfüllen gelte. So verlange ein kritischer Wohnungsbrand, dass die Feuerwehr unter Beachtung des Feuerwehrbedarfsplanes innerhalb von 13 Minuten nach der Alarmierung mit 16 Feuerwehrleuten bei der Einsatzstelle eintreffe und die ersten Maßnahmen einleite. Beim kritischen Wohnungsbrand handele es sich um einen Brand in einem Mehrfamilienhaus, bei dem gleichzeitig der Brand bekämpft werden müsse und ein Mensch zu retten sei. Ausgehend von 16 erforderlichen Funktionen müsse ein Einsatzleiter mit Verbandsführerqualifikation sowie eine gewisse Anzahl an Atemschutzgeräteträgern vor Ort sein. Hierbei seien i. d. R. zwei Rettungswege zu begehen, einmal über den innenliegenden Treppenraum und einmal von außen über mitgeführte tragbare Leitern. Gleichzeitig müsse Wasser und benötigtes Werkzeug bereitgestellt werden. Damit dieses funktioniere, so auch die Forderung im Bedarfsplan, müsse bei einem Bedarf von 16 Einsatzkräften das Vierfache alarmiert werden. Dieses gestalte sich tagsüber und an Werktagen schwieriger als nachts und an Sonn- und Feiertagen, da gerade die Kollegen aus der Freiwilligen Feuerwehr durch ihre ausgeübte Tätigkeit gebunden seien. So werde es nur mit Mühe geschafft, nach den durch den Feuerwehrbedarfsplan vorgegebenen 13 Minuten 16 Einsatzkräfte an den Einsatzort zu bekommen. Im Hinblick auf die Anzahl der auszurückenden Einsatzkräfte und Fahrzeuge werde immer auf die Meldungen abgestellt. Daher könne es sein, dass hier zunächst hoch heran gegangen werde und ein Teil später wieder abrücken könne. Aber genauso könne es sich auch andersherum darstellen. So sei der Brand des Van-Ameren-Bades zunächst als Schuppenbrand gemeldet worden mit der Folge, dass lediglich die Hauptberufliche Bereitschaft und eine Einheit der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte ausgerückt sei. Nachdem sich aber vor Ort herausgestellt habe, dass es sich um diesen Brand größeren Ausmaßes gehandelt habe, sei nachalarmiert worden, sodass am Ende rd. 80 Einsatzkräfte vor Ort gewesen seien. Als weiteres Beispiel, so Herr Lenz weiter, sei ein Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person zu nennen. Nach entsprechender Dienstvorschrift sei der Einsatz von zwei hydraulischen Rettungsgeräten vorgeschrieben. Zudem müsse der Brandschutz sichergestellt werden. Insgesamt bedürfe es bei einem solchen Einsatz 14 Einsatzkräfte. Beim Einsatzstichwort „eine Person im Wasser“ müsse das Schlauchboot zu Wasser gebracht werden. Dazu bedürfe es mehrere Personen, weil das Schlauchboot schwer und unhandlich sei. Wenn keine Slipanlage vorhanden sei, müsse das Boot über die Kaikante reingebracht, in einigen Fällen sogar mit einem Kran ins Wasser gebracht werden. Dieses alles seien zeitkritische Arbeiten. Daher gehe man zunächst mit einem hohen Potenzial an den Einsatz heran, damit in der vorgegebenen Zeit auch Hilfe geleistet werden könne. Herr Lenz führt weiterhin aus, dass nach Abschluss der Brandbekämpfung die Aufräumarbeiten anfangen würden. Zu diesem Zeitpunkt könnten die ersten Einsatzkräfte den Einsatzort verlassen. In der Spitze seien dann tatsächlich z. B. 40 Einsatzkräfte vor Ort gewesen, während nur mit 15 bis 20 Personen gearbeitet worden sei. Im Gegensatz zu einer Berufsfeuerwehr könne beim Ehrenamt nicht mit einer verlässlichen Größe geplant werden. Wie viele tatsächlich am Einsatzort erscheinen, hänge in Teilen auch vom Wetter ab. So müssen bei einer Glatteiswetterlage von vornherein mehr Personen als bei schönem Wetter alarmiert werden. Insgesamt sei dieses ein schwieriges und komplexes Thema, verbunden zudem mit dem Anspruch, die entstehenden Kosten u. a. im Bereich des Verdienstausfalls möglichst gering zu halten.

Herr Verlee merkt an, dass er hier ein grundsätzliches Problem der Bevölkerung sehe. Der Blick in andere, fremde Bereiche erfolge kritisch und ohne Wertschätzung. Dieses sei nicht nur bei der Feuerwehr, sondern z. B. ebenso bei der Bundeswehr festzustellen. Als weitere Beispiele spricht er die Politessen an, die vermeintlich den ganzen Tag nur durch die Gegend laufen und nichts tun würden oder den BEE, der auch immer gerne genannt werde. Dieses wollte er nochmals ganz deutlich machen.

 

Herr Martens dankt Herrn Lenz abschließend für den aufschlussreichen Vortrag und die umfängliche Beantwortung der gestellten Fragen.